Virtueller Spaziergang für Freunde von fern

Ihr Computer wird wohl etwas Zeit benötigen, um diesen Spaziergang an 26 großformatigen Fotos entlang Ihren Augen zu präsentieren. Gönnen Sie sich etwas Muße - vielleicht holen Sie sich in dieser Zeit eine Tasse Kaffee aus der Küche, oder besuchen das stille Örtchen ...

Meine erste Fotosafari für Freunde aus Orléans, die gerne spazieren gehen. Wo geht's hin? Oh, wir bleiben brav in Münster, ziemlich im Zentrum sogar, auch wenn die Fotos dies nicht so preisgeben. Am 4. August kam mir die Idee in den Sinn, an unserer schlanken Aa entlang zu ziehen und diesen Foto-Spaziergang den französischen Freunden von der Association franco-allemande Orléans zu bieten. Von der Idee zur Tat sind bei mir nicht allzu lange Wege; am nächsten Tag bereits holte ich mein rostiges Fahrrad aus dem Schuppen und zog los ... Es war logisch, dass die Tour am Aasee anfangen sollte - da, von wo das Flüsschen Aaa sich auf den Weg in die Stadt macht.

Ich radelte los und blieb erst stehen, als ich das Uni-Schloss am Hindenburgplatz sah. Große Kräne bauten gerade Tribünen für das Freiluftkino auf - Sch... - kein guter Augenblick für ein Foto - also folgte ich der schattigen Promenade-Allee, überquerte die Hüfferstraße, die den Schlosspark und die mächtige Gerichtsecke auseinanderhält, und blieb 100m weiter wieder stehen...

Ich war zwar noch nicht am Ziel; zum Aasee fehlten noch einige Hundert Meter. Aber das unscheinbare Gebäude des Lindenhofs am Promenaden-Rand badete so herrlich im Sonnenlicht, dass ich mein Fahrrad zur Seite stellte und die Fotokamera herausholte. Das Foto hat ein wenig von der verschlafenen Stille des Ortes eingefangen. ... Einst kehrten in das elegante Lokal Besucher des dahinter gelegenen ZOO ein, die sich gerne eine urdeutsche Kaffee-Kuchen-Runde nach dem sonntaglichen Spaziergang durch die exotischen Welten gönnten - hat man mir mal erzählt, denn es geht hier um eine ergraute Zeit. Der Zoo ist schon vor Jahrzehnten hinter den Aasee umgezogen. Jetzt scheint das Gebäude nur noch des Nachts aufzuwachen, wenn seine Säle für größere Feste gemietet werden. Ich habe da mal vor Jahren einen großen Jubiläumsball einer Tanzschule erlebt ... Es war toll! Tja, das waren Zeiten ...

Als ich meine Fotokamera wieder im Fahrrad-Köfferchen bettete, merkte ich eine steinerne Treppe nach unten ... Wo führt sie denn hin ..?

Ich folgte ihr - und so kam ich von dem 'rechten' Weg ab. Endgültig. Die Aa musste sich gedulden, ich würde sie ein andermal besuchen. Heute erkundete ich die mir bis jetzt unbekannten Gebiete des einstigen ZOO am Lindenhof.

 

Am Lindenhof

Die Treppe führte mich in eine schattige Welt zu einem runden, gepflasterten Podest am Wasser. Ich staunte nicht wenig: Wie viele Hundert Male bin ich an diesem Ort vorbeigefahren, ohne zu ahnen, welch schöne Oase sich hier verbirgt?!

So ein Panorama kann man natürlich nicht mit meiner simplen Kamera knipsen - ich habe es zu Hause aus vier Fotos zusammengebastelt ...

Während ich auf dem Podest jene vier Fotos machte - und dafür bracht man ja nicht viel Zeit - schaffte ein prächtiger Schwahn von ganz weit hinten - auf dem Panoramabild ist er noch der kleine, weiße Fleck links - bis zum Podest herbei zu rauschen. Und wie der so ankam, dachte ich, der hätte Turboantrieb ... Ihm hinterher eilten einige Entenfamilien. Offensichtlich gibt es auf dem Podest häufig Futterlieferanten... Nun dann - aus meinem Koffer holte ich schnell ein Milchbrötchen, welches mir unterwegs das Mittagessen sein sollte. In Stücke geteilt warf ich es weit ins Wasser, um den frechen Schwahn runter vom Podest zu kriegen und die nötige Distanz für ein Foto zu gewinnen.

 

Was war das für ein Fluss hier? Ein Seitenkanal, der zu den Wassergräbern um den Schlossparkt herum führt ..?

Ich folgte der kleinen Allee am hohen Ufer entlang und entdeckte ein Idyll nach dem anderen.

Die Erdgeschoß-Bewohner des weißen Wohnblocks haben ihren Garten mit viel Liebe gestaltet und zum Wasser hin geöffnet. Auf der Treppe halten aber zwei steinerne Löwen Wache ... Der Wasserspiegel verdoppelt sogar die Anzahl - Schade, dass die Verkleinerung des Fotos ihre 'gefährliche' Größe verniedlicht. Das Haus nebenan übt sich in Verschmelzung mit der Natur - mit Erfolg, wie ich fand.

Dieser Scheideweg sieht so romantisch aus, ist aber in Wirklichkeit keiner. Nach rechts geht es zu dem hinten gelegenen Haus - eine Sackgasse sozusagen. Spaziergänger müssen halt den Uferweg nach links nehmen ...

Jenes Haus im Hintergrund war die nächste Überraschung... ein pittoreskes Schlösschen aus 1001 Nacht. Das Foto ist nicht verkehrt ... Sie sehen halt das Spiegelbild im Wasser des Kanals.

Tja ... hinter diesem Rest der Stadtbefestigung(?) von anno dazumal endete der Kanal und ich stand plötzlich in einer weitläufigen, gut gepflegten Parkanlage.

Keine 50 m weiter bot sich den Augen ein neues Beispiel der Parkromantik - ein Lustschlösschen - d.h. ein Bau, dessen Funktion sich im Aussehen erfüllt- just for show. Das Schloss - klein und überschaubar - hat keine Innenräume. Im Kasten auf dem spitzen Dach wachsen bunte Sommerblumen ...

Ich gehe um den Bau herum. Die hochbeinige Eule schaut mir in die Augen, als wenn Sie sagen wollte: Glaub' bloß nicht, dass ich gerne hier hocke. Hilf mir lieber in den Wald ...

Als ich mich umdrehte ... Ach, hier bin ich also ..?! - meinen Augen präsentierte sich die gut bekannte Fassade der Landesbausparkasse an der Himmelreichsallee ...

Die Bank wusste sich gekonnt ins Bild zu setzen und schmückt viele Münsterprospekte. Sie wird auch gern auf Ansichtskarten in die Welt verschickt. Ihre großzügige Hand wird es wohl gewesen sein, die die Parkanlagen so schön pflegt ... Der Wasserspiegel gehört einem kleinen Teich, von dem ich nicht weiß, ob er mit dem zurückgelassenen Kanal zusammenhängt oder nicht.

Ich nahm nicht den Weg geradeaus - zur Bank wollte ich ja nicht - sondern ging nach links. Bald stand ich ... vor der rückwärtigen Fassade des Lindenhofs - dessen ergraute Veranda Stories von der guten Zeit des 19. Jhs. erzählt.

Über eine schmale Fussgängerbrücke seitlich des Lindenhofs überquerte ich einen breiten Kanal, der unter der Promenade verschwand ... tja sieh mal da, ich war wieder auf der Promenade.

Nun, der Rundgang um den alten Lindenhof endet hier. Vielleicht komme ich mal eines Abends hierher um noch ein paar Bilder vom Innenleben des Hauses zu erhaschen ...

Das Sommerwetter lockte zur weiteren Eskapade. Und ich war auch neugierig ... Was für einen Kanal überquerte ich da eben? Ganz schön viel Wasser führt er hier. Ich wusste gar nicht, dass wir hier so viele Wasserläufe in Münster haben. Ich verließ wieder die hochgelegene Promenade und kehrte über die schmale Brücke auf das andere Kanalufer zurück.

Wenige Meter weiter hält Cervantes mit großem Gefolge die Wache über das weitläufige Bankgelände. Ich glaube zumindest, dass die Skulptur den spanischen Windbezwinger darstellt. Es gab da zwar ein Informationsschild ... aber ein Nieselregen, der plötzlich niederkam, verscheuchte mich unter Ufer-Bäume und später habe ich vergessen nachzusehen.

Ich packte mir den Kanal unter den linken Arm und strebte dem Süden entgegen.

Der nunmehr bewölkte Himmel entzog dem Grün sein Leuchten und hüllte die Landschaft in einen hauchzarten Blauschleier. Halt um zu demonstrieren, wie schön die Welt auch ohne Sonne sein kann ...

Die nächste Station galt wieder der Kunst auf den Bankwiesen ...

Die schwergewichtigen Kolosse aus blankpolierter Bronze bieten jedem Licht-Tanz viel dankbare Fläche. Ich hatte Lust, mich auf die verschiedenen Skulpturebenen hinzusetzen, hinzulegen, da anzulehnen - einfach das Gefühl des Getragen-sein von dieser Mächtigkeit zu genießen, aber ... Erstens hat das fiese Wetter im Augenblick alles nass gemacht. Zweitens: die hohe Fontäne im Hintergrund versprühte ihr Wasser bis hierher - unglaublich!

 

Und drittens ... Die Überwachungskamera nebst Lautsprecher mahnte zu zivilisierten Verhaltensformen. Vorsichtshalber mied ich, ins Blickfeld des elektronischen Auges zu geraten. Bankleut' können manchmal sehr empfindlich sein ...

Ich wandte mich wieder dem Uferweg zu.

Und der Kanal verriet auf einmal seinen Geburtsort... Aaaa - das ist doch unsere Aa! Unter dieser Brücke verlässt sie den Aasee.

Nur noch ein paar Schritte durch den Tunnel - keine Angst vor seiner Dunkelheit, da läuft ein lebensfroher, bunter Film ab ...

Et voilà ..., hier sind wir am Ende unseres Spaziergangs angelangt.

Der nächste wird dieses Ende zu seinem Anfang ausrufen. Da möchte ich Sie quer durch unsere grüne Stadtmitte führen - so wie die schlanke Aa sich durch Münster aalt ... A bientôt mes amis! Tschüü-üü ..!

Alina

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oder wandern Sie weiter : mit Alina durch den Skulpturen-Park in Gees (2005)