Virtueller Spaziergang durch Kunstgefilde | ||
Auch hier gilt es, etwas Geduld aufzubringen, bis die vielen Fotos sichtbar werden und Sie den Spaziergang durch den weitläufigen Skulpturen-Park in Gees - beginnen können. Gönnen Sie sich etwas Muße - vielleicht holen Sie sich in dieser Zeit eine Tasse Kaffee aus der Küche, oder besuchen das stille Örtchen ... | ||
Der Skulpturen-Park im holländischen Gees war meine Entdeckung des letzten Jahres. Und da wusste ich sofort ... ich werde Stammbesucherin werden. Vor einigen Tagen fiel mir das wieder ein ... sobald der Regen aufhört, nichts wie hin! Als die Sonne das hörte, hat sie gleich am nächsten Tag Ausschau nach mir gehalten. Ich packte meine sieben Sachen (auch den Regenschirm), guckte auf der Karte nach der Strecke und los ...
Meine erster Eindruck erinnerte mich also - Entspann' dich ... träume ... genieße ... | ||
Nun, die Führung geht weiter ... Auf dem zweiten Foto habe ich zwei Ansichten des selben Aktes zusammen montiert. Als ich den Weg entlang der Galeriewand (rechts auf dem Foto) ging, sah ich diese Wald-Nixe von hinten und fand sie schön modelliert. Als ich ihr aber ins Gesicht schaute, schlich sich eine Enttäuschung ein - Na ja - noch ein Mädel ... Eine Art niemand weiblichen Geschlechts. | ||
Ich drehte schnell eine Runde durch den Galerie-Raum mit Kleinplastiken und lief ungeduldig auf die Wiese draußen... Die drolligen Wiesen-Wächter habe ich mit der geliebten Kulisse geknipst ... Die Weite selbst - wie liebe ich das! Und viel Himmel, der an diesem Samstag immer wieder von Daunenwolken bevölkert war, ohne den Sonnenstrahl arg zu beeinträchtigen. | ||
Um jar nix von dem Paradies hier auszulassen, ging ich aber nicht auf die Wiese, sondern richtete meine Schritte in den runden Geraniengarten. Der Name sollte nicht ein falsches Bild vor Ihrem inneren Auge entstehen lassen, Gees ist betont naturbewusst - statt hochgezüchteter Blütendolden der Balkonblumen sieht man hier unzählige Sorten, die mit Wiesenblumen eng verwandt sind.
Und in diesem Ambiete der Bescheidenheit trönen Glasfächer von Jelle Leek, einem Künstler aus Bussum. Ich gebe zu, dass ich bei meinem Rundgang glaubte, diese anmutigen Werke würden einer Frauenhand entstammen ... Erst später sah ich auf den Fotos in der Cafeteria, dass sie ein älterer Mann schuf. Man lernt nie aus - vor allem in punkto Menschenkunde ... | ||
Dieses Mandala-Foto musste ich aus 4 Einzelfotos zusammenfügen, denn der Hecken-gesäumte Kreisgarten bietet keinen Abstand, um den Raum ganz zu erfassen. Leider hat der Mann auf dem Foto ziemlich lange ... meditiert(?), ich konnte nicht ausprobieren, wie es sich anfühlt, das Zentrum der Raumfigur zu sein. Aus dem Internet weiß ich nur, dass sie ein Werk von Marc de Roover ist. Unverrichteter Dinge verließ ich den mystischen Kreis und ... | ||
... endlich die Weite. Die Natur hat hier nicht viel zu melden ... Der meisterhaft glattgehaltene und kurzgeschorene Rasen mit messerscharf geschnittenen Rändern an Bäumen und Hecken ist das permanent ausgestellte Kunstwerk hier - wirkt unrealistisch obwohl echt. Ich weiß nicht, wie viele Hektar die Wiese zählt, aber das Foto hier lügt nicht - ich wähnte mich in der direkter Nähe der Unendlichkeit. Dieses Raumwunder ist nur noch wenige Jahre zu erleben, denn wie man sieht, die Bäume schicken sich an, die Weite zu segmentieren ... | ||
Es ist nicht leicht, diese Weite mit Kunst zu füllen. In diesem Jahr gab es auch erstaunlich wenig Großformatiges. 'Normalgrößen' wirken hier nur aus der direktesten Nähe. Nehmen Sie das Beispiel dieser Plastik hier. Wahrscheinlich werden Sie ohne meine Hilfe diese ca. drei Meter hohe Figur auf der Wiese oben nicht finden. Sie können es aber versuchen - bevor Sie meinen nächsten Satz lesen ... Suchhilfe: Orten Sie erstmal den Silberstreifen des Wassers. Ziemlich in der Mitte steht eine Person mit knallroter Jacke und ca. 5 mm links von ihr steht eine hell gekleidete Person und schaut sich gerade die Skulptur an - die Entfernung hat die Metallschwere in zartes Patinagrün gewandelt. Ich habe auch länger suchen müssen, obwohl mir die Erinnerung an die Lage am Ufer zur Verfügung stand ... | ||
Et voilà ... der größte Wiesenschmuck - ein Spiegel für Himmlisches, ob aus der Natur- oder Kunstschmiede. Allerdings - Monumentales gab es in diesem Jahr nicht ...
Die Lichtfänger des jungen Künstlers, Ronald Westerhuis sind nicht gerade winzig, aber im Kontext des Raumes erscheinen sie sehr filigran. | ||
Die Wiese wird linksseitig von zwei weiteren Schau-Gärten gesäumt, dem grassentuin und dem hostatuin. Diese Kulisse suchte sich die vielfältige Frau von Edwin Partoll aus.
Der Künstler aus Österreich präsentierte 12 mal die selbe und doch immer wieder andere Frauenstatuette. Bestimmt ging es ihm nicht um das Spiel mit dem Spruch Kleider machen Leute ... Verwunderlich bleibt dennoch, dass eine andere Beschaffenheit der Oberfläche, andere Farbe, anderes Ziermuster - allesamt neutral an sich - sehr menschenbezogene Assoziationen entstehen lassen. Beim Anschauen der Haut sozusagen, war ich geneigt, den Charakter oder die Lebensauffassung jener 'Person' zu diagnostizieren.
Was für ein Spiel der Künstler spielen wollte, weiß ich nicht. Später erfuhr ich, dass er die zweite Figur (oben links) Die Klassische nannte. Dem nach könnte die erste Die Verschlossene, die dritte Die Komplizierte ...heißen. Wer weiß? Wenn Sie mögen, spielen Sie weiter ...
Am Wiesenrand postierte der Österreicher weitere Beispiele seiner Faszination für Rundungen des Frauenkörpers. Und ... für die Ohnmacht. Allerdings scheinen seine Frauen, sich ihrer Haut, die sie mehr fesselt als ziert, befreien zu wollen. | ||
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Wie Sie den Fotos entnehmen können, wechselte ich nun die Kulisse und durchwanderte einen Hain mit allerlei Gebüschsorten. Hierher haben sich nicht allzu viele Künstler verirrt ... Nichtsdestotrotz, der Spaziergang hierlang ist 'ne Wonne.
Diese Keramikfrau könnte aus Entfernung für eine echte Nudistin gehalten werden. Die Körpergröße passt, die Hautfarbe, die Pose und ... die Abgeschiedenheit, in der sie sich der Sonne hingibt.
Im Hintergrund sieht man schon den nächsten vijer - wesentlich kleiner als sein Wiesenbruder. Während jener die Unermässlichkeit des Raums betonte, scheint die Hauptaufgabe dieses Spiegels das Verstrahlen der Stille zu sein ... | ||
Dieses Idyll hätte frau gern zu Hause. Nicht unbedingt mit dem Metall-Koloss dahinter, obwohl er sein Gewicht so federleicht erscheinen lässt. Die zwei Trone wären aber willkommen. Letztes Jahr standen sie mit drei weiteren am Teichufer der großen Wiese - das war ein Anblick ..! Wie die Götter-Riesen von den Osterinseln ... Da merkt man erst, wie sehr die Kulisse mitwirkt. Hier wirken die Trone ... beschaulich - ohne jegliche Assoziation an Großartigkeit, an Ungewöhnliches, an Mystik. | ||
Der anmutige Steinvogel(?) und die fröhlichen Fische sind weitere Waldbewohner. Langsam habe ich den Eindruck, dass ich hier im Abschiebe-Gebiet bin ... die Trone vom Vorjahr, die Fischkeramik noch älter ... gleich kommt die Himmelsleiter von anno domini ... | ||
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Nun komme ich wieder ins Freie - die zweite Wiese im Park. Ebenso gepflegt, wenn nicht noch mehr ... Mit einem idyllischen Teich, der in diesem Jahr sehr elegant wirkt. (Verstehen Sie bitte meine Freude ... im Vorjahr machten sich da unzählige Kästen mit Gipsblumen breit.)
Zunächst ging ich aber nicht zum Teich - alles der Reihe nach ... Linkshaltend machte ich eine Runde um die große Wiese. Gleich zu Anfang stellten sich zwei Parkbänke in den Weg, wie sie nicht gegensätzlicher sein könnten. Ich habe nicht gewagt, die Sitzqualität des Doppelsitzers zu testen. Irgendwie traute ich den Stelzbeinen nicht ... | ||
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In dem heckenumkreisten Skulpturengarten gibt es immer die 'Privatgrößen'. So etwas kann sich der Otto Normalverbraucher ins Zimmer oder auf seine Gartenterrasse stellen. Mike Piché aus Canada nutzte die Gelegenheit und stellte mehrere figurative Bronzeplastiken. Ich habe aber bis jetzt schon so viel gesehen ... ich setzte mich auf die hinterste Bank und ruhte. Meine Augen blieben am Wolkenspiel hängen, die Seele baumelte.
Nach dem Viertelstündchen für die Beine, trugen sie mich nunmehr weiter. Zu dem silbernen Ungetüm hinter der Hecke. Aus der Ferne betrachtet, glaubte ich eine Plastik von Niki de Saint Phalle zu sehen - sie hat ja auch mal so einen großen Drachen aus Spiegeln zusammengebastelt. Aber dies hier war das Werk von Willem Kind aus Rotterdam. Die 'Haut' seines Ungetüms besteht aus schwerfällig zusammengeschweißten blanken Stahlplatten - die Nähte sind bereits am Rosten. Ich ging einmal 'rum und entfernte mich schnell. Das Kunstwerk irritierte mich - ich weiß nicht warum - irgendwie blöd fand ich es ... (Als wenn andere gescheit wären, oder intelligent ...) | ||
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Nun war endlich der schöne vijer dran mit seinen Märchenwesen, von denen ich nicht wusste, ob sie mir mehr afrikanisch oder mexikanisch erschienen. Christien Dutoit hat dieses schlanke Volk erschaffen. Die belgische Künstlerin liebt den Menschen, lässt ihn lieben, schmusen, fühlen, leiden, grübeln, tanzen ... | ||
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In der Mitte der Wiese tanzt ein Riesenpaar. Tanzen ist meine Leidenschaft, so wundert es nicht, dass mich die Skulptur sehr angesprochen hat.
Im Hintergrund sieht man auch die bereits erwähnte Himmelsleiter. Wenn man an ihrem Fusse steht, verliert sich ihr Gipfel im Himmel. Der Künstler versah sie aber mit der Reflexion: Sky - the only limit - wenn ich das genau behalten habe. Und dieser Gedanke hatte die Macht, mich schon mehrmals zu beschäftigen ... Limit ..? | ||
Entlang der Hecke standen viiel kleinere Blechwunder - simpel in der Form und doch beredt ... Bei ihnen konnte die Künstlerin auch die Fläche beleben. Ihre Titel lehnt sie aber an die Gestalt der Materials an - hier war das wohl Lauschen. Dieses Gebilde braucht mehrerer Blickrichtungen, um zu entdecken, was die Menschenfiguren treiben ... Wenn Sie nicht gleich erblicken, mag Ihnen der Hinweis helfen, dass die kleinen Blechstückchen jeweils oben Köpfe darstellen sollen. | ||
Hinter der Hecke befindet sich der fünfte Kreisgarten der Parkanlage. Sein Spezialgebiet sind Heckenpflanzen. Und zwischen den beschnittenen Sträucherwürfeln gibt es natürlich genug Platz für Skulpturen. Letztes Jahr stand hier meine geliebte Sonnenanbeterin. In diesem Jahr hat keine Plastik mein Herz höher schlagen lassen. Schnell suchte ich die Weite der Wiese wieder. Dieses metallene Zickzack, na ja - nett anzusehen und dann gleich weiter ziehen. Ihrer Aufmerksamkeit empfehle ich kurzen Blick auf die Kulisse. Das Wohnhaus rechts war einst nur ein Hof in tiefster Provinz - so ziemlich am Ende der holländischen Welt. Die Idee eines Skulpturenparks hat die Landschaft (nicht nur um das Wohnhaus herum) nachhaltig verändert. Das Gelände wurde mehrmals erweitert und bekam neue Aufgaben.
Vor dem Haus glänzt ein weiterer Teich, vor einem Jahr standen hier bunte Glasscheiben, jetzt eine ... hmmm großzügige Schlinge. Sie scheint genau der Mitte des Wasserkreises zu entstammen, um sich dann vertikal zu winden. Die Schlingenrundung spielt mit der des Waserspiegels ohne Anspruch auf Perfektion. Die ganze Komposition scheint mit dem Ort verwachsen zu sein. | ||
Der sympatische 'Maulwurf' mit Menschenfüssen und Röckchen aus unzähligen Glasscheiben weist den Weg zur Besucher-Terrasse, die sich zwischen dem Galerie-Haus links und dem Cafeteria-Haus rechts befindet. Hier ruhte ich aus - bei verkehrtem Kaffee (so nennen Holländer den Milchkaffee - lernte ich) und hausgebackenem Yoghurtkuchen. Ich saß da und staunte über mein Glück ... Unfassbar, nach so vielen kalten Regentagen, durfte ich heute sommerlich gekleidet umherziehen und der mitgeschleppte Schirm kam gar nicht zur Anwendung. Bin ich ein Glückpilz! | ||
Die weiteren Vertreter der Phantasiewesen aus der Hand von Sjaak Smetsers aus Venlo. Am Anfang meiner Führung durch den Parkt stellte ich sie als Wiesen-Wächter vor - nun weisen sie mir den Weg zum Ausgang hin.
Die letzte Viertelstunde widme ich dem Rundgang durch das Galerie-Haus. Verdammt wenig Zeit für die vielen Schätze da, aber - um 17 Uhr schließt der Park ... Auf Wiedersehen bis zum nächsten Jahr - bestimmt!!!
Die Adresse vor Ort: http://www.beeldeningees.nl | ||
Sie können auch einen kurzen Blick auf einige Fotos von Gees 2004 werfen ... Einfach so - ohne Begleitkommentar. Wenn es Ihnen nach weiterem Spazieren an meiner Seite ist, können Sie mit mir den Lindenhof in Münster umkreisen ... ein einfacher Spaziergang im Grünen ... ohne viel KUNST, wohl aber mit der Kunst, Parklandschaften zu gestalten ... | ||