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Noch ein Urlaub bei sich selbst ... (28.12.2006) Der letzte Wille meiner Freundin war, dass wir sie mit frohem Singen verabschieden. Das fiel mir nicht leicht. Und die Stunden im verregneten FriedWald, wo sie sich bestatten ließ, haben meine Trauer noch einmal hoch gehätschelt ... Ins Auto steige ich mit verrücktem Beschluss ein: Stille-Woche. Nichts wie hin!
Oberlethe empfängt mich mit sonnigem Wetter - gutes Zeichen ..? Am Eingang ins Seminarhaus lachen mir zwei gut gelaunte Buddhas zu. - Oh, danke! Alles klar. Ich bin hier bestimmt am richtigen Orte! | ||
Durch das mir unbekannte Seminarhaus wandelnd entspanne ich mich in die dichtgewebte Stille hinein - die erste Seminarwoche hat schon viel bewirkt. Ich muss unbedingt hier mitweben! Mein Anliegen trifft bei der sympathischen Katrin in der Haus-Verwaltung auf offene Ohren - sie möchte nach einem Unterschlupf in der Anlage für mich suchen, aber heute Nacht käme nur noch eine Pension außerhalb im Betracht. Nein, danke. Da fahre ich lieber nach Hause und komme morgen wieder. Ich muss ja eh ein paar Sachen einpacken ... Guter Dinge, wenngleich nicht wissend, wie das neue Abenteuer ausgehen möchte, segele ich ins Seminarbüro und ... melde mich verbindlich (d.h. zahlend) für die Schweigewoche an. Selbst wenn ich täglich 300 km fahren sollte, ich gehöre jetzt hierher. Basta! Beim Abendessen begegne ich überrascht einem lieben Bekannten und nutze die Möglichkeit für kurzen Austausch mit Dietrich - später bleibt jeder nur noch mit sich selbst im Gespräch. Oder ... mit Samarpan, dem Seminarleiter, bei dem während der täglichen Sitzungen (Satsang) über persönliche Schwierigkeiten mit dem Innenleben gesprochen werden kann. | ||
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Gleich nach dem Abendessen suche ich mir meinen Platz im geräumigen Saal. Samarpan verlebt sein Leben auf Reisen von Satsang zu Satsang, dies ist sein Zuhause. So wundert's nicht, dass er auch den Begegnungsraum immer mit sich führt. Wenn Sie meinen Vorbericht aus Stiersbach (Verschwiegener Urlaub) gesehen haben, werden Sie sich hier heimisch fühlen; gleiche Einrichtung, ähnliche Anordnung, dieselbe Stille. (Für das Foto habe ich den seltenen Augenblick abgepasst, als niemand im Raum meditierte.) Meine Platzwahl fällt auf die Stühle im Hintergrund rechts, hier sitzt man nicht so dicht und vor allem bequemer als auf den (von anderen umkämpften) Meditationssitzen - meine Knochen haben das Beste verdient. Die Sitzung verläuft in vertrauter Weise. Verwundert stelle ich nun fest, dass mir mehrere Gesichter bekannt sind, ohne allerdings die dazugehörigen Namen oder gar Lebensläufe zu kennen. Stille-Suchende scheinen eine nicht allzu große Gruppe in Deutschland zu bilden. Nach dem Satsang sitze ich noch eine Stunde lang im Kaminraum. Ich mag kaum glauben, dass ich hier erst seit sechs Stunden dabei bin - es fühlt sich nach ewiger Muße an. Der Kaminraum hatte bis zum Ende meines Aufenthaltes an seiner Anziehungskraft nichts eingebüßt. Und dies galt wohl für viele Teilnehmer, denn alle vier Sofas im Raum waren fast immer belegt. Wie bereits beim Silent-Retreat in Stiersbach habe ich es genossen, die übliche Kontaktpflege unter Menschen unterlassen zu können. In sich ruhen - das tut so gut! Innen wartete auf mich daunen-weiche Stille, wo nichts los war. Sie begleitete mich auch noch im Auto, als ich nachts Münster ansteuerte und mich an den Ateliertisch setzte - mein Malkalender bekommt heute ein Bild über Regines Abschied; begleitet von einer kurzen Notiz - was soll man da schon sagen ... Danach Zeit fürs Reisegepäck. Mein Leben geht noch weiter. | ||
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Am nächsten Tag bin ich bereits um 11 Uhr wieder in Oberlethe - die Autobahnen wurden extra für mich leer gefegt ... Nach kurzem hin und her werde ich im Hexle-Häuschen untergebracht. Der alte Kotten, liebevoll restauriert und innen modern eingerichtet, steht leer (nur Obergeschoß wird durch einen Massage-Therapeuten bewohnt), weil ... drei kleine Fenster noch keinen Sichtschutz bieten können - erklärt mir Katrin vom Büro. Der 'Makel' schreckt mich natürlich nicht ab, also bekomme ich schnell ein frisch bezogenes Bett und kann hier Wurzel schlagen. Mit Elan schleppe ich mein Gepäck aus dem Auto. Danach wird schnell eine Tapetenrolle aus dem nahen Städtchen geholt und bald habe ich 'Jalousien' gebastelt, die jeden Abend an die Fensterscheiben geklebt werden. | ||
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So, nun bin ich angekommen! Ich bin echt ein Glückspilz! Danke, danke, danke an alle Hilfsengel! | ||
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Der Retreats-Alltag ... Ausschlafen, herrlich frühstücken, auf der Veranda oder am Kamin sitzen, Mittagessen, Satsang, Muße am Kamin, Abendessen, Satsang, wieder am Kamin und nachts ... malen. Den von zu Hause mitgeschleppten Tisch habe ich gleich im Auto gelassen. Im Hexle-Haus habe ich ja einen bequemen und superlangen Esstisch, den ich umgehend zu meinem Atelier umfunktioniere. Die Ergebnisse können im Kein Tag gleicht ... - Kalender 2006 nachgesehen werden. Dort gibt es auch die diesbezüglichen Kommentare.
Zum Jahresausklang gönne ich mir eine Hawaiianische Massage - anderthalb Stunden Genuss ... der eine tiefe Traurigkeit weckt (Regines Tod?) und auch gleich tröstet. Die Massage hat mich natürlich mit meinem 'Obermieter' bekannt gemacht. Martin Konermann - alias Ujjaval - ist ein liebevoller Mensch, dem sich jede sensible Seele gelassen anvertrauen kann. Mein Nachbar wird allerdings von einer Sorge beunruhigt: dass sich die Stille-Bewohnerin von seinen Silvestergästen gestört fühlen könnte: - Wir werden Mantren singen. Vielleicht schließt du dich uns an? - Oh, danke. Gerne. Das Leben schenkt mir aber wirklich vom Besten - immer wieder. Ein Fest ohne Ende ... Und das schon seit einem Jahr! | ||
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Der Silvester-Satsang fällt etwas beschaulicher aus als die anderen - bis auf die musikalische Umrahmung von Pushpanjali. Sie hat schon bei früheren Satsangs ihr Cello singen lassen und sogar Rajma (die Dolmetscherin von Samarpan) dazu überredet, ihre Flöte aus dem Dornröschenschlaf aufzuschrecken. Sie boten zu größter Freude aller im Saal wahre Konzerte im Stil der Renaissence-Bälle - mein leidenschaftliches Tanzbein hätte am liebste ausgelegt ... Für den Silvester hat Puspanjali etwas ganz anderes ersonnen: vor dem Satsang spielt sie eine Sonate von R. Valentine. Und nach dem Satsang kommt sie in den Saal geschminkt, mit witziger Perücke und ... beflügeltem Cello. Wir hören keinesfalls Epochengerechtes ... statt Menuetten und Kontredancen erklingen plötzlich die vertrauten Strauß-Walzer - gespielt von André Rieu und seinem Orchester. Die von Pushpanjali geschriebene Cellostimme nimmt den Dialog mit der CD auf und tanzt der Prominez gekonnt auf der Nase. Der Auftritt sorgt für gar un-stille Freude im Meditations-Raum. Ich mache einige (vorab genehmigte) Fotos; auch Samarpan holt seine Profi-Kanone und legt sich lachend ins Zeug; der Gag hat ihm auch sehr gut gefallen. Nachdem er weg ist, harren viele im Saal einer Fortsetzung - Stille-Retreat hin oder her; dies ist doch ein guter Start für ein ausgelassenes Silvesterfest, oder? - Pustekuchen. Nach und nach verziehen sich die Hoffenden in den inneren Raum, wo sie ihrer Sehnsucht Gesellschaft leisten können. Ich genieße eine längere Passage am Kamin, bevor ich ins Hexle-Haus wechsle, um die letzten Züge am Schlussbild für meinen Malkalender zu vollziehen. Über mir höre ich Gitarre und mir nicht unbedingt vertraute Lieder. Hat es überhaupt Sinn hochzugehen ..? Erst als jemand anfängt, den Rhythums in den Boden zu stampfen, wird es bei mir ungemütlich und ich wechsle zu den lebensfrohen Sängern im Obergeschoß. Außer dem Gastgeber finde ich in der Runde Herma, die supernette Haus-Chefin, unseren Koch (sein Pangasius-Filet schwamm heute Abend im traumhaft leckeren Sösschen!) und drei weitere Personen, die hier arbeiten und leben. Darunter die sympathische Frau aus Kanada, welche meinetwegen die mitbenutzte Küche im Hexle-Haus räumen musste, obwohl ich sie gar nicht brauchte. Nun werden Lieder angestimmt, bei denen ich auch mitsingen kann - welch ein Zufall ... Mitternachts lassen wir Wunderkerzen auf dem Balkon aufleuchten und stoßen auf das Jahr 2007 an. Schöner Ausklang für das bislang schönste Jahr meines Lebens ... | ||
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Das neue Jahr lockt mich mit Sonnenschein vom Kamin weg - ich wollte ja mal Fotos machen. Höchste Zeit für eine Runde durch die gepflegte Parkanlage. Zunächst gehe ich um das Hexle-Häuschen herum, danach zum nahen See. Out of season ... aber schön. | ||
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Nun die andere Seite der Anlage. Auf hohem Hügel, der das Anwesen vor dem Straßenlärm abschirmt, ruht in Meditation ein gemütlicher Mann, dessen Gesicht wunderbaren Frieden strahlt. Dem Europäer gegenüber sitzt ein graziller Shiva(?) gegenüber und spielt Flöte. Ich umkreise den Teich, den er besingt. Auf der benachbarten Wiese finde ich ein Mandala aus einer offensichtlich anderen Ritus-Schatzkammer. Frei vom Wissen darüber durchschreite ich das Tor und folge bedächtig den schmalen Wegen des Ring-Labyrinths. Es dauert ganz schön lang, bis ich die Mitte erreiche und dort etwas ruhe. Der Rückweg fällt ganz anders aus, ich muss plötzlich querfeldrein ins Haus laufen - der Nieselregen hat sich durchgesetzt.
In den Weiten des Hexle-Häuschens breite ich beide Bahnen meines nunmehr vollendeten Mal-Kalenders aus - bei mir zu Hause kann ich mir das 16 Meter-Gemälde leider nicht anschauen. Ich nutze den vielseitigen Lichteinfall aus und fotografiere das Werk detailliert ab. Zu Hause werde ich dann eine schöne Dia-Schau basteln; das Computerprogramm dafür habe ich schon gekauft.
* * * Im Mittags-Satsang spricht ein Mann mit Samarpan über die zehrende Sehnsucht nach der Seins-Glückseligkeit. Er erlebe zwar immer wieder die kostbaren Augenblicke, aber sie verflüchtigten sich schnell und er bleibe verzweifelt und ohne Hoffnung da. Ich höre dem Gespräch 'unbeteiligt' zu; warten auf Glück setzt mir ja nicht mehr zu. Dies scheint ein geeigneter Moment zu sein ... für den Lichtschuss unter die Haut: Samarpan schmunzelt über das Problem und als er dabei das Wort Hoffnungslosigkeit erwähnt, weiß ich auf einmal! Oh Gott , jene -losigkeit, das ist doch ...! Die plötzliche Einsicht schüttelt ausgediente Scheuklappen ab. Das Wort hat mich 50 Jahre lang an der Nase geführt. Wie oft stoppte mich eine Hoffnungslosigkeit, Auswegslosigkeit oder Sinnlosigkeit, und ich glaubte im Loch von Nichts gelandet zu sein. Ich nannte es totes Nichts. Klagen, blindes Umhertappen und die Suche nach rettendem Etwas war die Folge, was mich natürlich in die Gedankenwelten entführte. Eine -losigkeit - wie blöd! In der erfahrbaren Wirklichkeit kann es doch so etwas gar nicht geben - geht nicht! Ein Mangel e-xis-tiert ein-fach nicht. Nicht mal als Fatamorgana, denn das würde ihm ja eine 'Form von etwas' verleihen und das Nichtvorhanden-sein auflösen. Der Jetzt-Augenblick ist immer randvoll von etwas. Muss sein. Sein und Fülle sind irgendwie Dasselbe. Ein Mangelgedanke ist ... nur das Stoppschild einer Angst, einem unvertrauten Gefühl zu begegnen. Ich glaubte diesem Stopp! Nichts da. und übersah, dass ich einer Erfahrung ausweiche. Der Glaube an die Sinnlosigkeit ist genauso gescheit wie eine Idee von ... Wetterlosigkeit - einfach absurd! Bei der nächsten Begegnung mit einer '-losigkeit' ... bleibe ich felsenfest stehen; egal was hinterm falschen Namenschild auf mich warte ... einfach hindurchschauen! | |
Zum Samarpan gehe ich erst am nächsten Tag hin. Mein Auto steht schon abreisefertig - morgen früh beginnt ja die Arbeit; mehr Urlaub habe ich nicht. Und ich brauche auch nicht. Es geht mir so guuut! Samarpan erzähle ich in wenigen Sätzen von den Quantensprüngen meines persönlichen Lebens innerhalb des letzten Jahres. Mein Gefühl der Dankbarkeit hat zwar keine persönliche Ausrichtung - mir ist einfach nach ... Freude teilen. Und der Mann im Sessel da vorn, der nicht mal weiß wie ich heiße, er stand ja am Wegesrand meiner Lebensgeschichte und half die Hürden wegzuräumen.
Der Satsang klingt wieder mit einem Gala-Konzert aus. Rajma und Pushpanjali sind inzwischen innig eingespieltes Team geworden. Und dieses Konzert wird zur Freudenfeier, die einfach nicht enden möchte. Samarpan ist längst gegangen, man könnte ja wieder vors Kamin ziehen, aber die Teilnehmer umkreisen die Musikerinnen, bewundern etwas neidvoll die spontane Darbietung, labben sich an herrlich unvollendetem Musikauftritt, und keiner will weg. Meine Vernunft schaltet sich aber ein und lenkt konsequent die Schritte ins Hexle-Häuschen. | |
Schnell umziehen und los geht's! Adé mein Waldrand-Schlösschen... Adé Oberlethe ... Die nächsten Geschenke warten auf mich in Münster.
- 2. Januar 2007 - | |