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Ich stehe im Lichthof des Landschaftsverbandes. Bin richtig gespannt, denn ich habe schon aufgeschnappt, dass der litauische Künstler Deimantas Narkevicius die Skulptur von Karl Marx präsentieren wollte, aber nicht durfte. Von wegen, man hätte den Künstler schikaniert ...

Die Skulptur selbst komme eh nicht aus seiner jungen Hand, sie wurde bereits 1971 von dem russischen Künstler Lew Kerbel entworfen und realisiert - als Wahrzeichen für die Stadt in der DDR, die den Namen des Philosophen zu ihrem eigenen machte - Karl-Marx-Stadt.

Beim Ablegen der kommunistischen Kleider, musste der Name ins Museum wechseln, aber der acht Meter große Kopf des Denkers (nur der gehöre in die Geschichte, erklärte der prominente Bildhauer, warum er auf den Körper verzichtet hatte) ist inzwischen in die Herzen der Stadtbewohner eingezogen, die nun auf das Wohl ihres Nischl’ achten und ihm die Reisestrapazen zu irgendeiner Kunstschau nicht zumuten wollten.

Mehr noch, nicht mal eine Kopie durfte gefertigt werden. Wer den Nischl kennen lernen wolle, müsse halt nach Chemnitz hin. Ein Unikat sei eben Unikat ... locken Politiker aus Nischl-Stadt.

(Wer jener heißen Debatte nachspüren möchte, klicke bitte hier)

 

Der litauische Künstler musste also seinen Beitrag für skulptur projekte münster 07 neu konzipieren ... Was wurde daraus?

Halt ein paar Stuhlreihen vor einer großen Leinwand. Darauf ein Archivschätzchen über die Entstehung des gigantischen Kopfes. Zum Finale zieht die Kamera minutenlang über ein verschwommenes Archiv-Foto einer kommunistischen Kundgebung zu 'Füßen' des Monuments.

Im Foyer des Landschaftsverbandes gähnende Leere - nur noch ich harrte bis zum Ende des Streifens aus, in der Hoffnung, dass man endlich Bezug nehme zur Gegenwart. Keine Ge-genwart - Marx hat sie auf dem Umweg über die Geschichte... in die Folklore verlassen.

 

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