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32 Sprich zur Erde nannte Jeremy Deller sein Werk und setzte damit ein 'Denkmal' der Schrebergartenkultur in Deutschland. Der englische Künstler war fasziniert von der Entdeckung dieses Freizeit-Raums der städtischen Bevölkerung. Seine Kunstidee besteht darin, diesen Ausschnitt des öffentlichen Lebens in dicke Dokumentations-Alben einzufangen, welche von den Kleingärtnern bis zur nächsten Ausstellung in 10 Jahren geführt werden. Um auch andere an seinem Kunstprojekt zu beteiligen, beschloss der Künstler den Projekt-Besuchern Samen des chinesischen Taschentuchbaumes anzubieten. Wer sich gern mit der Hege und Pflege befasst, kann dann diesen Baum zur Blüte bringen, und diese erfolgt 10 Jahre nach der Aussaat ... Pünktlich zur nächsten Skulpturenausstellung könnte es also einen weiß flatternden Jeremy-Deller-Wald in Münster geben. Na ja ... fast ... der mir bekannte Taschentuchbaum an der Wilkinghege winkt mit seinen Tüchern bereits im Mai. Wie dem auch sei, diesen Samen wollte ich natürlich kriegen, also nichts wie hin.
Ahnungslos erscheine ich in der Kolonie just an dem Tag des großen Sommerfestes. Auf dem Parkplatz steht ein großer Autokran und hievt Schaulustige in die Himmelsspären 40 Meter über dem feiernden Gelände. Super Idee! Da kann ich ja Luftaufnahmen machen! Der Kranführer nimmt mich und zwei Kinder in den kleinen Korb mit, und wir heben ab. Während ich noch in meiner Tasche nach dem Fotoapparat wühle, fragt er beiläufig: Alle schwindelfrei?
- Oh Gott!!! Wie konnte ich das bloß vergessen!!! Nun stecke ich in der Falle ... Ein Blick nach unten kommt nicht in Frage; meine Augen bleiben am Horizont kleben. Die alte Angst knurrt zwar, beißt aber nicht so richtig. Mehr oder weniger blind strecke ich den Arm mit der Kamera aus und knipse einige Male nach unten. Dann ... warte ich die Erlösung ab. Nach der Landung nehme ich die Präsenz der Erde sehr bewusst war. Mutter, was habe ich dich da oben vermisst! Danke, danke, danke für deinen stillen Halt. | ||
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Ich flaniere die Hauptallee entlang mit weit aufgesperrten Augen und nehme die Blumenpracht mit einer Intensität wahr, die fast weh tut. In war schon mal hier zu einem Grillfest eingeladen - 2 oder 3 Jahr ist's her? - und erwarte keine großen Überraschungen. Ich genieße den ruhigen Augenblick (alle Gärtner sind wohl bei dem Fest vor der fernen Cafeteria), stibitze hier und da eine sonnenwarme Himbeere oder Pflaume (echte Mirabellen) und vermisse nur noch eine Bank zum Verweilen. Alle Bänke sind innerhalb der Gärten und die Gäste der Skulpturprojekte gehören natürlich nur in den öffentlichen Raum der Allee. | ||
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Beim Blick über den Zaun habe ich oft das Gefühl, durch ein Märchenländle zu wandeln. Maßstab für Kinderaugenhöhe; alles klein, lieblich, gepflegt. Wenn Sie mitträumen möchten und dem Schlafwandler auf dem Dach aus der Nähe begegnen, bewegen Sie die Maus über das Foto ... | ||
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Irgendwann gelange ich doch noch ins Zentrum des heutigen Geschehens. Gleich am Rande entdeckte ich meinen Anlegesteg - Stand mit den Samen des Taschentuchbaumes. Ich suche mir das Päckchen mit dickstem Kern aus und ... na ja ... das war es.
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Ich schaue mir die Tische, wo geknobelt wird an, wo Kartespiel die Leute eint, auch den Handwerker-Teststand für goldene Händchen, den simplen Karton mit Losen für die große Tombola, die im Cafeteria-Schatten auf die Abendstund' wartet. Als Kind hätte ich vielleicht gern so ein Umfeld gehabt. Oder ..? - Wer weiß. Jetzt fällt es mir erst auf, dass ich zwar meine Schulfreundinnen mit einem Schrebergarten beneidet habe, aber eigentlich nicht klagen darf. Meine Familie steckte im ähnlichen Rahmen. Nur war es nicht die Kleingärtnergemeinde sondern eine Gruppe von Kanu-Fans, die unter der Woche ihre Boote pflegte und herausputzte, um am Wochenende oder im Sommer gemeinsam zum Zelten an den Masurischen Seen aufzubrechen. Da hatte ich Kinder zum Mitspielen, Kontakt mit wilder Natur und viele 'Feste' am Feuer. Einen Grill kannte man nicht, die Wurst wurde auf Zweigstücke aufgespießt und überm offenen Feuer gebraten. Statt Kartoffelsalat gab es heiße Kartoffeln aus der Asche, die aus der schwarzen, verrußten Hand am besten schmecken. Die Kindertests absolvierten wir im oder auf dem Wasser, wobei ich am liebsten alleine im Boot die ufernahe Flora inspizierte. Tja ... jedem das Seine. In meinem Falle sprach die Mutter Erde durch das Wasser-Element zu mir. Ich glaube ich sollte mal wieder einen Sonntag auf der Werse verbringen ... | ||
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Zu Hause schaute ich mir die Beute des Tages an - der Kern ähnelt einer groß geratenen Muskatnuss. Die Ziehanleitung auf der Rückseite des Beiblattes von Deller erstaunte mich ... Gar nicht so einfach; der Baum hat aber auch Wünsche! Bald fuhr ich aber zu einem Baustoffmarkt und suchte den großkernigsten Sand aus, den es unter den 10 Sorten gab, und setzte den Kern in den Kühlschrank. Sein Winter im feuchten Sandkasten soll bis Ende September durch sein. Dann kommt feinere Erdqualität ins Spiel. Das Experiment läuft. Nur noch 9 Jahre, 10 Monate, .... 31 <<< _____Miniaturen-Übersicht______ >>> 33 | ||