Miniaturen-Übersicht

Die umgekehrte Pyramide von Bruce Naumann hat es geschafft. Vor 30 Jahren durfte der Künstler seine Quadratische Senkung (Square Depression) nicht realisieren - die Uni konnte da kein Gefallen an seiner Idee finden. Nun feiert das Betonloch seinen Triumph; wann immer ich da vorbeischaute - beim Regen gleichermaßen wie beim Sonnenschein - hielten sich dort viele Menschen auf.

Im Katalog habe ich gelesen, dass der Künstler uns mit beklemmenden Gefühlen aus dem Depressionsbereich konfrontieren wollte. Wegen der Absenkung unterhalb des Erdniveaus würde man sich vereinsamt, ausgeliefert und schutzlos vorfinden ... Auf den Beckensaum reduzierter Horizont könne Raumangst heraufbeschwören ...

Diese Rechnung scheint nicht aufgegangen zu sein. Etwaige Vereinsamungsgefühle haben's eindeutig schwer, ins Bewusstsein zu steigen, wenn man erst 'Schlange stehen' muss, um einen Augenblick im Tiefstpunkt verweilen zu können. (und man wartet auch ziemlich lange auf einen Augenblick, wo keine Leute vor der Kamera wandeln.)

Die Weite des Raums wirkt neutralisierend auf die Wahrnehmung der Tiefe. Daher ... Ich persönlich empfand es als sehr angenehm, im 'geschlossenen' Raum mit Himmelszelt überm Kopf zu sein. Auch bei anderen sah ich keinerlei Raumangst; die Besucher scheinen die Zeit dort genauso zu genießen wie auf den grünen Aaseewiesen. Oder am blendend weißen Sandstrand ... Der Vergleich komme nicht von ungefähr - bei Sonnenlicht sollte man die Senke ohne Sonnenbrille lieber nicht betreten.

 

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