Miniaturen-Übersicht

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Beautiful City nannte Maria Pask ihr Projekt und lehnte sich damit an den alten Song aus Godspell an, wo die junge Generation (vor über 30 Jahren!) die Vision einer Stadt ohne Mauern und Vorurteile besungen hat. Im Schlosspark schlug also jene Vision ihre Zelte auf. Das größte dient als Begegnungsraum für privat und öffentlich geführten Austausch über verschiedenste Religionsvorstellungen und die Suche nach harmonischen Umgangsformen zwischen deren Vertretern oder Bekennern.

Am Rande der Wiese voller mehr oder weniger spontaner Kunstwerke finden hier Vorträge und Gesprächsrunden mit geladenen Gästen statt. Mal wird die 'Bude' voll, mal versammelt sich da nur eine Handvoll Interessierter ...

Alle Begegnungen werden von Maria Pask moderiert und zum Teil gefilmt. Mein erster Besuch in der Beautiful City fiel erst auf den 22 Juli. Geladen waren zwei Personen: Romel Regalado Bagares (ein Jurist und Journalist gebürtig aus Philippinen) und Julian Struijk (junger Religions-Psychologe, NL).

Das Thema des Vortrages hat keine 20 Personen angezogen: Entprivatisierung der Religionen? Glaube, Zivilgesellschaft und öffentlicher Raum.

Ich kann mich zum sachlichen Aspekt gar nicht äußern, weil meine Englischkenntnisse nur für groben Fadenverlauf reichten. Erst als jemand aus dem Publikum nach dem Stellenwert der Seele fragte, kam es zu einem lebhafteren und nachvollziehbaren Austausch im Zelt. Den Vortragenden galt die Seele als Gedankenkonstrukt. Es wurde schnell offensichtlich, dass im Publikum verschiedene spirituelle Sucher aber keine Theoretiker saßen. Auffällig war auch, dass Herr Struijk über Psychologie viel gelesen hat, aber die Menschenwelt ausschließlich in der mentalen Dimension kennt. Seine Haltung den Fragenden gegenüber ... schmeckte mir ganz und gar nicht - jene Arroganz des 'Wissens' kannte ich allzu gut aus eigener Lebensgeschichte. Etwas Scham darüber verschnürte mir die Kehle ... - trotz der Erkenntnis, dass auch diese Entwicklungsstufe zum Weg gehöre.

Der Mann aus Philippinen hatte es auf Grund seines religiösen Prägungshintergrundes(?) viel leichter. Sein Toleranzpotenzial war um Himmel weiter, geräumiger, allem anderen offener.

Eine Woche später füllten ganz andere Geister das geduldige Zelt - Fernand Mich (L) kam nach Münster, um ein schamanisches Ritual zu präsentieren. Da ich noch nie mit Schamanismus zu tun hatte, war ich natürlich sehr gespannt, wie das auf mich wirken würde ...

Das Zelt war gut gefüllt mit solchen wie ich und ... mit etlichen 'Eingeweihten', wie es sich bald herausstellen sollte. Der Meister ließ sich viel Zeit für das Auspacken seiner Requisite und für das Raum-Reinigungsritual mit Räucher- Kräutern, die er unterm Publikum umhertrug. Da erwies er sich als 'normaler', sehr umgänglicher Mensch, der gern aus dem Shamanen-Nähkästchen plaudert. Sein nüchterner Umgang mit der für viele heiklen Materie hat mir sehr gut gefallen. Während des Rituals ließ der Shamane seine vielen Klangschalen summen; das improvisierte Konzert war herrlich.

Enttäuscht war ich allerdings, dass das Ritual für mich 'leer' ablief und die anschließende Fragenrunde zu recht naiven Erklärungen seitens des Meisters führte. Sein bescheidenes Deutsch hat ihm zusätzliche Hürden gebaut. Irgendwie Schade.

Ich ging mit dem Fazit: Das Leben wusste Bescheid, als es bei meinem Tanz durch die esoterischen Gärten keinen Schamanen an den Wegesrand postierte ...

Meine letzte Begegnung in der Beautiful city galt dem Hexen-Phänomen. Die weibliche Vertreterin des Shamanismus erwies sich eine aufgeweckte Frau in den besten Jahren (dreifache Mutter und Geschäftsfrau obendrauf).

Minervas Vortrag strahlte Leichtigkeit, und Weichheit zugleich. Die Hexe war sich vollkommen darüber im Klaren, dass sie eine Glaubensstruktur benutzt (auch wenn sie die als 'Wissen' und 'kein Glauben' nannte), die keinen Ausschließlichkeits-Anspruch erheben kann. Einer Frau, die Probleme mit der shamanischen Akzeptanz des Todes hatte, empfahl unbekümmerte Minerva nach einer anderen Glaubensrichtung zu schauen, die ihrer Persönlichkeit mehr emotionalen Halt bieten würde.

Es gefiel mir auch, dass sie ihre Kinder in den christlichen Religionsunterricht schickte, damit sie keine Vorurteile gegen nicht shamanische Glaubenssysteme entwickeln und auch wählen können, woran sie sich halten möchten. Praktisch gelebte Toleranz nenne ich das.

Als ein Mann die Frage nach dem Wandel ihrer Werte stellte, konnte die Hexe (oder Heidin, wie sie sich auch nannte) bei seinem stark abstrahierenden Ansatz nicht anknüpfen und bekam etwas mit ihren Nerven zu tun, was sie aber offen und unkompliziert auslebte. Eine weitere Hexe aus dem Publikum kam ihr dann solidarisch zur Hilfe mit dem leicht aggressiven Ansatz, dass man als persönlich gereifte und geklärte Hexe keine Priesterkaste als Vermittler zum Gottaspekt benötige. Der arme Mann resignierte ... sie befanden sich offensichtlich auf anderen Levels und konnten sich nicht begegnen.

Nach der Gesprächsrunde ging Minerva auf die Wiese und streute eine große Spirale aus Mehl auf den Rasen. Nun galt es ein Ritual zu erleben. Nichts wie hin, heißt es dann bei mir.

Nur eine Frau ließ ich vor mir gehen, weil ich mir noch nicht im Klaren war, was ich im Zentrum der Spirale loslassen möchte. Dies war nämlich das Hilfsangebot der Hexe.

Sie begleitete jede Person einzeln auf ihrem Weg in die Mitte und sang dabei das bekannte Lied Im Gehen der Spirale beweg' ich mich nach innen ... Als ich das rauchende Metallkörbchen in die Hand nahm, wurde ich irgendwie fröhlich und ließ es ein wenig um mich herum schweben. In der Mitte, streute ich von den dort ruhenden Kräutern etwas ins Feuer und bat um Hilfe beim Kontakt mit meinem Zentrum - in letzter Zeit neigte ich wieder zum starken Hinauslehnen und Zerreden bei Begegnungen mit anderen Menschen.

Auf dem Rückweg durch die Spirale tänzelte ich entlang der weißen Linie, als wenn meine Füße beflügelt wären. Bei der Übergabe des niedlichen Hexenkessels an die nächste Person erinnerten mich ihre nackten Füße daran, dass ich in meinen lackierten Pumps gepilgert war ... Danach stand ich nur noch am Rand und kriegte kaum etwas von den Gängen anderer mit. Ich war randvoll mit schnittfester Stille.

Dem neuen Kunstwerk vor dem Zelt knipste ich im Vorbeigehen ein paar Fotos und schwebte anschließend meinem Auto entgegen ... Voll von stillem Nichts war ich der Halt selbst ... Da brauche frau keinen Himmel mehr.

Das Gefühl der Dankbarkeit der herzlichen Hexe gegenüber kam erst 9 Stunden später durch.

 

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