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Die Unterführung am Hindenburgplatz wurde einst von besorgten Stadtvätern für Studenten gebaut, die vom Uni-Schloss ins Stadtzentrum eilten; sie sollten sicheren Fusses die andere Seite der verkehrsreichen Straße erreichen. Die Adressaten haben das Angebot jahrzehntelang verschmäht, bis der dunkle Tunnel letztendlich zugebrettert wurde. Nun wird er von der Kunst geliebt. Bei der ersten Skulpturen-Ausstellung 1977 hat ihm Jo-seph Beuys ein Schmalz-Denkmal gesetzt (es ruhe jetzt in einem Museum in Berlin). Vor ei-nem Jahr haben die Kunststudenten den Raum für die Nacht der Museen und Galerien bean-sprucht und nun... erwählte ihn Valérie Jouve für ihr Projekt - Münsterländer.
Die Unterführung als 'Inbegriff des Unterwegssein' - steht's im Katalog - erschien als optimale Stätte für die Präsentation einer originellen Dokumentation. Die Künstlerin filmte den Weg nach Münster - genau genommen das sich-Annähern an die Stadt. Vier französische Schauspieler benutzen dafür jeweils verschiedene Wege und Verkehrsmittel und begegnen so verschiedenen Gesichtern der Stadt. Bei meinem ersten Besuch in dem unterirdischen Kino hielt ich nur wenige Minuten aus; grad genesen von einer langwierigen Erkältung wollte ich eine neue nicht riskieren. Beim späteren Versuch fand ich das Kino leer und tot. Für das dritte Mal galt es länger zu warten, bis der Sommer wieder in Münster einkehre. Dann aber ... Ich fuhr zielstrebig zum Hindenburgplatz und 'tauchte dort unter'. Künstlerin wollte eine Art Porträt der Stadt liefern. Wie sehe Münster aus, wenn man sich ihr als Fremder nähere? - Nun, es zeigt sich schnell, dass ich das nicht nachvollziehen könne. Mein Verstand - mangels einer Handlung, der er folgen könnte, ist unentwegt damit beschäftigt, die gezeigten Orte meinen Erinnerungen an sie zuzuordnen. Das Bestreben, möglichst alle Orte zu benennen, verdrängt den Fluss der Eindrücke und Empfindungen. | ||
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Im Nachhinein kann ich nur rekapitulieren, dass das Bild von Münster seeehr von dem abwich, das die Stadtmarketingstrategen als Visitenkarte präsentieren. Jouve's Ur-Bild war mir aber vertraut. Den Zugfenstern präsentieren sich die Städte von ihrer unansehnlichen Hinterhof-Seite - habe ich einst bei meinen Bahnreisen quer Deutschland festgestellt. Valérie Jouve hat genau diese Gewöhnlichkeit eingefangen. Kilometerlang zog ich hinter ihrer Kamera her und sah meistens jene Baustelle, die sich üblicherweise zwischen dem Raum der Natur und dem der Zivilisation breit tut. Das Finale des Films hat mich überrascht. Die Wanderer treffen im Zentrum ein und begegnen da nicht der wirklichen Stadt, sondern dem alljährlichen Zaubermärchen - dem Weihnachtsmarkt auf dem Aegidiiplatz.
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