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Als ich Ende Mai meine Steuererklärung beim Finanzamt ablieferte, fiel mir die provisorische Treppe auf, die zum Fenster des Konferenzraums hinaufführte, aber ich erklärte mir das mit Renovierungsmaßnahmen oder dergleichen und vergaß den Fall sofort. Als ich jetzt die Nr. 19 von Guy Ben-Ner auf meinem Stadtplan ansteuerte und im Ergebnis an der besagten Treppe landete, war ich sehr gespannt ...
Oben angekommen stieg ich (wie ein Dieb?) durchs Fenster ein und stand dort auf einem hochgezogenen Holzbodenplateau mit drei Fahrrädern, wie sie in einem Fitness-Center üblich sind - nur dass sie mit Bildschirmen ausgestattet waren. Die Kunstwerkwache erklärte mir, wie ich damit umgehen könne, und ich radelte den Film vor mir los.
Ein Mann mit zwei heranwachsenden Kindern besuchte dort eine Kunstausstellung in licht-vollen Sälen eines ehrwürdigen Museums. Die genaue Anschrift verrieten die durch Fenster reinlugenden Türme unseres Doms. Der Museumswächter schlummerte um die Ecke, und die drei inspizierten den Raum mit weltberühmten Klassikern der Kunstrichtung, welche Alltags-gegenstände zu Kunstwerken erhob - so genannte Readymades. An der Wand hängt Picassos Stierschädel (de facto ein Fahrradsattel mit Lenker als Hörnern). Auf einem Tisch gibt's die Zerstörte Batterie von Beuys (Schüssel mit Luftpumpe). Etwas weiter ragt aus einem weißen Barhocker in die Luft das Fahrrad-Rad von Duchamp. Alles recht bescheiden wirkende Exponate. Imposant wirkt nur Tinquelys Cyclograveur, eine Machine aus vielen Rädern, deren Bewegung ein zyklisches Bemalen einer Platte bewirkt. Die Kinder - durch eine gute Stube nicht verdorben - toben sich im Saal aus und sehen lediglich den funktionalen Aspekt der Exponate, den sie zum Spielen nutzen. Ihr Vater, Herr Ben-Ner müht sich ab und zu einen Mäßigungsversuch ab, bis er in einem Augenblick merkt, dass alle Ausstellungsstücke einst dem Fahrradfahren dienten. Nun wird das Kind in ihm selbst wach - er winkt die Kinder zu sich. Gemeinsam nehmen sie die Kunstwerke auseinander und setzen sie zu einem funktionstüchtigen Fahrrad zusammen. Anschließend fahren sie darauf durchs grüne Münster. Das Projekt nannte der Künstler Ich gäbe es dir, wenn ich könnte, aber es ist nur geliehen. | ||
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Die Story fand ich witzig, und es gefiel mir, dass Ben-Ner Bezug auf Münster genommen hatte. Lediglich der Zweifel, ob dies als Skulptur gelten könne, trübte die Gesamtnote. Bis dahin habe ich noch nicht viele Werke der anderen Künstler gesehen und wusste nicht, dass skulptur projekte münster ein musealer Name für eine Ausstellung sei, die längste alle Kunstgattungen umarmen möchte, die sich im öffentlichen Raum präsentieren lassen.
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