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Ganz am Anfang meines Weges durch SPM07 war das Projekt von Wedemeyer Von gegenüber - eine Art Videodokumentation, die im Metropolis gezeigt wurde. Nicht dass ich mich von der Beschreibung in meiner Katalogbroschüre besonders angesprochen fühlte, nein - ich beabsichtigte alle Projekte nacheinander zu sehen und Metropolis ist halt am Bahnhof, wo mein Bus im Stadtzentrum ankommt.
Eine gewisse Nostalgie begleitete mich beim Betreten des seit Jahren geschlossenen Kinos, welches im Konkurrenzkampf gegen moderne Filmpaläste erlag. Im Eingang begrüßte mich helle Freude - am Kiosk mit frischem Popcorn standen einige Personen, die offensichtlich ihren Job hier genossen. Ihre Gegenwart fühlte sich schön an, da ich aber kein Popcorn-Fan bin und auch die Souvenirs der SPM07 nicht gebrauchen konnte, passierte ich schnell in die obere Etage. Im Kinosaal liefen gerade nächtliche Aufnahmen und die Leinwand spendete kaum Beleuchtung. Ich wartete im Eingang, bis die Kamera in helle Räume gewechselt hatte, und traute mich dann erst den Weg durch die sessellose Kinowüste mit wenigen Schaumgummi-Würfeln zum Sitzen einzuschlagen.
Das Leinwandgeschehen musste zunächst darauf warten, dass ich den alten Raum um mich herum 'besucht hatte'. Ein totes Kino. Präpariert für seine letzte Bestimmung vor dem Abriss: den Geist von dem öffentlichen Raum im und um unseren Bahnhof herum zu zeigen, welcher ebenso kurz vor dem Abriss stehe.
Der Film. Reality pur. Knappe halbe Stunde bleibe ich im Filmfluss versunken, wenngleich der Gangschwung des umherziehenden Kameramannes mein Betrachtergewahrsam konsequent wach hält. Der gezeigte Raum zeigt deutlich seine Funktion - er sei zum Passieren da. Die Aufenthalte der meisten Menschen sind da knapp bemessen, sie dienen auch hauptsächlich dem Warten auf den nächsten Schritt. Was aber nicht heißen soll, dass jener Raum nicht gefüllt wäre mit menschlichem Leben. Die von der Kamera eingefangenen Personen realisieren ihre Ziele, erleben Begegnungen, manche tun ihr Job, machen gerade eine Pause, erfahren Stress beim Zeitdruck ihres Tagesplans, Neugier (Unfall passiert ..?), Misstrauen und Angst (vor der Kamera) und vieles mehr ... nicht zuletzt viel Abwesendheit. Im öffentlichen Raum, umgeben von anderen Passanten, verlassen die meisten ihre Umgebung und ziehen in die Gedankenwelt, wo Gestern und Morgen gekaut werden. Der Körper wandelt gekonnt die im psychischen Navigationssystem eingestellte Route entlang ... Dann löst sich meine Aufmerksamkeit von der Leinwand; ein letztes Umherschauen zum Abschied und ich kehre in die Tageswelt zurück. Ohne je an das Gesehene wieder zu denken, bis mich dieser Bericht dazu aufforderte ...
Die späteren Besuche im Metropolis, auf dessen Bühne verschiedene Begegnungen mit Künstlern stattgefunden haben, gaben mir noch genug Gelegenheit, mich im Hause wohl zu fühlen. Im Draußen-Café genoss ich einen wirklich nach meinen Wünschen gemachten Milchkaffee (so'n Glück erfahre ich selten) oder eine Mahlzeit, die die Leute von Draußen, welche jetzt unten regieren - vom Restaurant nebenan für mich holten. Da erfuhr ich von der Schicksalswende des Metropolis - kein Abriss zunächstmal - Café-Lounge, Restaurant und Event-Räumlichkeiten sollen hier eingerichtet werden. Ich könne also noch später hier einkehren. Ob ich dann aber meinen Kaffee so gut gemacht bekomme? Draußen bleibt nämlich in der Zukunft draußen ...
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