![]() | ||||||
![]() | ||
16 Der anmutige Verandabau am Rande der Parkanlage weckte schon früher mein Interesse, als ich ihn zufällig beim Autofahren hier erblickte. Deswegen steuerte ich D.&F.Anlage -Y.E.S(Ü) - das Werk von Manfred Pernice - als eines der ersten an. Es befand sich gegenüber dem Museum für Lackkunst an der Promenade, zufällig in direkter Nähe einer geschichtsträchtigen Plastik. Auf die 1975 erworbene moderne Skulptur des Amerikaners George Rickey reagierten die Münsteraner ziemlich allergisch. Dies bewog das Landesmuseum, 1977 eine Ausstellung zu organisieren, die die Entwicklungstendenzen der modernen Kunst dem Publikum hier näherbringen sollte. Außer den illustren Beispielen in Museums-Sälen gab einen Annex in der Stadt - neun Künstler traten mit ihren Skulpturprojekten in (heftigen) Dialog mit dem öffentlichen Raum und ... seinen Nutzern. Der Grundstein für die nunmehr alle 10 Jahre wiederkehrende Ausstellung Skulptur Projekte wurde also ahnungslos gelegt. Freilich ... Skulpturen als etwas darstellende, greifbare Objekte mit langer Lebensdauer haben sich inzwischen in flüchtige Installationen verwandelt, die eine Idee des Künstlers zum Ausdruck bringen. Weniger Granit und Bronze, mehr Beton und ... Sperrgutreste. Warum auch nicht, unser Lebensumfeld wird ja auch zunehmend durch Beton und Kunststoff dominiert. Außerdem - ein Projekt brauche ja nicht gleich 'in Gold gegossen' zu werden; woher sollte auch ein Künstler die Mittel für teure Stoffe nehmen, bevor er einen Käufer gefunden hat? Ganz zu schweigen von den 'Werkstoff-Argumenten' der kämpfenden Kunst, die Kritik an der Konsumgesellschaft üben möchte. Nun aber zurück auf die Kunststrecke 2007. Das Werk von Manfred Pernice kann als ein schönes Lehrbeispiel für die Ausführungen zuvor betrachtet werden. Es versteht sich von selbst, dass er es nicht zu diesem Zwecke geschaffen hat. Wie ich eingangs erwähnt habe, hatte Pernices Werk Pluspunkte vom Weiten kassiert. In seiner Nähe ... meldet sich etwas Befremdung. Ich schau mich auf der betonierten Plattform noch neugierig um, aber immer deutlicher spricht eine enttäuschte Erwartung: Na und ..? Was soll das? - eine Reaktion wie bei Münsteranern der 70-er Jahre ... Der befragte junge Mann, der am Kunstwerk Wache hält, erwähnt, dass im Kürzelnamen des Objekts Denkmal- und Freizeit-Anlage stecke. Hm ... dass mir das viel geholfen hätte, kann ich nicht behaupten. Der Beschreibung in meiner Broschüre entnehme ich nur, dass Pernice den Überbau von Berlin ausgeliehen hat und eine der beiden Säulen nach dem Vorbild der Schmitz-Säule aus Köln in Beton und 'Holzmüll' nachgebaut hat, (jene die den exakten Abstand zum Mond festhält), um eine Münster betreffende Inschrift ergänzend. Ich lese die Texte an allen vier Seiten durch, ohne dass die Na-und-Frage sich zufrieden gibt. Der Künstler nimmt Bezug auf die 'harmlose' Geschichte des Ortes, die keine sichtbaren Spuren hinterlassen hat. OK. Und ..? | ||
Die zweite Säule - eine Art Metallplastik aus abgenutzten Stangen - vermag mein Auge gar nicht zu unterhalten und auch den Kopf nicht zum Nachsinnen anzuregen. Seine Vorstellung von Freizeit ... die muss ich nicht ergründen.
Der Künstler liebe wohl die Beliebigkeit. Mein Fazit: die Laube samt ihrer Plattform mit Bänken und beblümten Geländern wäre genug. Als Ort für Augenblicke des Verschnaufens und kurzer Reflexion, die von der umgebender Natur der Parkanlage, einer Informationstafel über die Vergangenheit dieses Ortes in der Stadt oder ... von dem Straßenleben daneben inspiriert werden könnten. Die Säulen würden in einem Museum für moderne Kunst bestimmt mehr interessierte Augen anziehen. Ich lasse die Nr. 16 hinter mir. - - - - Im später gekauften Katalog werde ich noch zwei tief schürfende Kritiken und sieben Seiten Dokumentation über die langwierige Geburt des Projekts nachlesen können. Im unsichtbaren Hintergrund des Projektes stehe die Auseinandersetzung des Künstlers mit der Vergangenheit eines Gebäudes am York-Ring in Münster, welches in seiner hundertjährigen Geschichte das Korpsbekleidungsamt, die Polizeischule und zuletzt ein Übergangswohnheim beherbergte. Von X-Beliebigkeit kann also nicht mehr die Rede sein, klar. Aber Lust, das Kunstwerk nochmals mit dem neuen Blick zu besuchen, tauchte nicht mehr auf, auch wenn ich in der Nähe war.
15 <<< ____Miniaturen-Übersicht_____ >>> 17 | ||