Miniaturen-Übersicht

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Die 3,4 Meter hohe Litfasssäule steht am Eingang zur Stadtverwaltung. Eine bereits preisgekrönte Skulptur von Silke Wagner. Die Organisation der Obdachlosen in Münster (gruppiert um die von ihnen vertriebene Zeitschrift Draußen) beschloss nämlich zum Auftakt der 100-Tage-Ausstellung einen Preis für die obdachlosenfreundlichste Skulptur zu vergeben. Während der Besichtigungstour haben die Obdachlosen ihr ursprüngliches Wahlkriterium Schutzraum oder Dach verworfen, weil sie die künstlerische Erinnerung na den dargestellten Paul Wulf zutiefst berührt habe. Der Mann aus Münster hat nämlich als Jugendlicher unter der faschistischen Ideologie über unwertes Leben gelitten und den Rest seines Lebens damit zugebracht, Materialien über dunkel gefärbte Schicksale zu sammeln und die Mitbürger auf den Straßen damit zu konfrontieren. Nicht in Form einer Demonstration, nein - er suchte Gespräch mit Passanten über den Inhalt seiner mitgeführten schwarzen Mappe. Was die Behörden und Justiz angeht, da hatte er schweres Kreuz zu tragen, bis er nach 30 Jahren eine Rente erwirken konnte. Im hohen Alter erfuhr er auch die politische Anerkennung, als ihm das Bundesverdienstkreuz für seine Aufklärungsarbeit verliehen wurde.

Die Erinnerung an dieses Schicksal beschloss die Künstlerin mit einer 'Bühne' für das münsterische Archiv der Sozialen Bewegungen zu verbinden und nannte ihr Werk Münsters Geschichte von unten. Dafür bestellte sie bei einem Bildhaueratelier diese Litfasssäule mit Kopf und Füssen von Paul Wulf. Sein Mantel wird alle drei Wochen mit anderen Archivmaterialien über Bürgeraktionen und Proteste beklebt. Außerdem wird der ganze Archivbestand nach und nach im Internet zur Verfügung gestellt. (www.uwz-archiv.de)

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So. Und nun stehe ich vor dem Betonkoloss, dessen beharrlicher Blick an den da oben festklebt. Den Mantel betrachte ich nur als Ganzes, die Lektüre überlasse ich den Geschichtsinteressierten. Kindliche Freude triumphiert plötzlich hoch, dass die traditionelle Skulptur noch nicht ganz vergessen wurde. Auch wenn die Funktionen Autor und Bildhauer getrennt wurden. Summa summarum: eine gelungene Symbiose von figurativer Bildhauerei und sozialkritischem Geschichts-Ausflug der Künstlerin.

Wie es sich später erweisen wird, habe ich hier den letzten Mohikaner innerhalb der skulpturen projekte münster 07 gesehen - die anderen 32 Künstler knüpften bei der traditionellen Skulptur nicht an. Die Kunst sei eine Kopfschöpfung, und eine Idee benötige nicht unbedingt eines materiellen Objektes ...

 

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