Miniaturen-Übersicht

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Die Nr 12 hat sich eindeutig der Sozialkritik verpflichtet. Ahnungslos komme ich am Erbdrostenhof vorbei und finde einen überdimensionalen Müllknäuel aus Kunststoff in faden Farben vor. Daneben steht eine übliche Müllpresse vom Recyclinghof, nur ist sie mit Tierfiguren bemalt. Der ganze Vorhof des Palastes ist mit Piktogramm-Bildern tapeziert, die den Verwaltung- und Sicherheitsbehörden offensichtlich keine Lobeshymne singen wollen. Diese Motive sind auch auf dem geknüllten Müll zu sehen.

Und ... beim näheren Hinsehen entdecke ich jetzt erst, dass die Kugel aus bunten Köpfen, Beinen, Schultern, Hälsen, Rüsseln oder Pfoten verschiedener Tiere besteht. Leicht auszumachen sind Teile vom einem Bär, Pferd, Elefanten; ganz oben ragt ein weißer Schwanenkopf hervor.

Also, wenn das mit der Lovestory vom Aasee zu tun haben sollte, dann müsste der Schwan schwarz sein ... Von wem ist die Skulptur? Hat der Künstler etwas gegen die Tiere? Oder gegen ihre Misshandlung? Und dieser Bezug zur Bürokratie? Da kann man natürlich unendlich lang spekulieren - nee, keine Lust. Aber ... die Kugel hat was. Faszinierende Hässlichkeit. Vielleicht wollte der Künstler oder die Künstlerin ... Just in diesem Augenblick bleibt neben mir ein Museumsführer stehen und erklärt seiner Gruppe, was Andreas Siekmann mit seinem Werk Trickle down bezweckt hätte.

Und zwar eine Aufklärungsaktion über die schleichende Privatisierung des öffentlichen Raums und - was damit einhergehe - die Beschneidung der öffentlichen Meinung und Kontrolle über weite Teile des gesellschaftlichen Lebens. Der öffentliche Raum dürfe nicht zu einer Marktgröße werden - alarmiere der Künstler und versuche in ausgeklügelten Piktogrammen, die komplizierten Mechanismen des gefährlichen Prozesses anschaulich zu machen.

Im Foyer des Palastes gibt es sogar ein Paneel, wo der Künstler eine münsterische Begebenheit illustriert. Vor einigen Jahren, überlegte man nämlich in Münster eine Aktion mit Riesen-Schirmen durchzuführen. Das letzte Bildsegment lässt uns aufatmen ...

Der Führer streut weitere Einzelheiten über den sozialkritischen Beitrag und empfiehlt die auf den Tischen ausgelegte Lektüre. Uff! In meinem Kopf hallt die Information wie im leeren Treppenhaus. Der Weltverbesserer in mir ist längst ausgezogen - ohne ihn ist die Resonanz mit Wichtigkeit, Gefahr und Ähnlichem nur übers Erinnern an früheres Erleben möglich aber ... nicht besonders attraktiv. Nicht mehr mein Spielkanon. Mögen andere ihre Muskeln drin üben.

Später werde ich im Hauptkatalog noch paar Male versuchen, die in Piktogrammen faszinierend sorgfältig dargestellten Mechanismen anzuschauen und schaffe es nicht, über 30 Sekundenspanne zu kommen. Das reicht allerdings, um die herrlich klare Beharrlichkeit des Künstlers wahrzunehmen. Der geborene Kämpfer hat sein Element gefunden und weiß dies meisterhaft zu nutzen.

 

Und wieso die Tiere - fragen Sie noch? Was sollen die Tierfiguren veranschaulichen? - Nichts, Herr Sickmann benutzt die Erinnerung an die Tieraktionen als ein Beispiel von einem gefährlichen Mechanismus der Privatisierung. Eines, das mit Kunst im öffentlichen Raum zu tun habe - die sog. urban art des City-Marketing. Bestimmte Firmen bieten den Städten und Gemeinden solche Plastikfiguren zum Bemalen an (bekanntes Beispiel: Buddy-Bären in Berlin), und unterstützen sogar bei der Durchführung diverser Aktionen in der Öffentlichkeit, die vorgeben, der Stärkung der Orts-Identität und dem Marketing zu dienen. Schaden ..? Jene kirmesmäßigen Massenobjekte 'stehlen' der wahren Kunst den knappen Lebensraum in der Öffentlichkeit. Alles klar?

Ich bewundere nochmals den Kontrast zwischen der barocken Kulisse und dem 'Kunstmüll' und ziehe neugierig weiter.

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P.S. für den neugierigen Seitenblick zur documenta in Kassel, wo der Künstler auch sehr präsent ist ....

 

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