Miniaturen-Übersicht

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My-fi - ein romantischer Beitrag, wie es sich kaum noch ein Künstler heutzutage erlaubt. Als die Künstlerin aus Kalifornien während der Planungsphase nach Münster kam (junger Sommer 2006), war sie regelrecht angetan von der warmen Lebensfreude, die in der Luft schwang. Mit jener Art von Liebe wollte nun Pae White künstlerisch in den Dialog treten. (Wrrrr - gestelzter Slogan hoch drei... Es ist nicht leicht, nicht sentimental über Sentimente zu schreiben.)

Also noch einmal, konkret. Die Glocken. Nicht die, die zur Kirche rufen. Jene, die singen. Und Münster hat nicht wenig davon. Das Türmchen auf dem Uni-Schloss hat welche, das Glockenspiel in der Rothenburgstraße (über den Nonhoff-Juwelen) erklingt auch täglich. Hundert Meter weiter singt der Stadthausturm und hinter der Lambertikirche hängen im Fenster des WMF-Ladens mit vornehmen Tischgedecken 18 weiße Porzellanglocken aus Meißen, die besonders fein singen können. Nicht zu vergessen - das Glockenspiel der astronomischen Uhr im Dom.

Pea White suchte im Repertoire ihrer Lieblingslieder aus der Jugendzeit solche aus, die zu der Klangskala des jeweiligen Glockenspiels passen und lässt sie 2-3mal am Tage über münsterische Dächer und Köpfe verströmen. Dies geschehe zeitversetzt, sodass man mehrere Lieder zu hören bekommt, wenn man sich auf die Route jener Liebe begibt. Damit werde auch der künstlerische Bogen zu 'Camino Real‘, der Route zu spanischen Missionen in Kalifornien gezeichnet.

Eine weitere Verbindung mit jener Route schafft der Weg im Botanischen Garten hinterm Uni-Schloss, mit drei großen Glocken aus Majolika (Tonmaterial), deren geschwungene Form denen in Kalifornien gleicht. Na ja, nicht ganz. Die Künstlerin wollte ja ihre Liebesgefühle zum Ausdruck bringen ... zum sichtbaren Ausdruck - die noch frischnassen Glocken erfuhren also die Kraft der liebenden Umarmung und sind nicht mehr ganz rund. Jene Umarmung kommt folgerichtig auch im Klang der unregelmäßig geformten Gefäße zum Ausdruck.

 

Das mehrteilige Projekt von Pae White enthält noch eine weitere Komponente, die sich an den Geschmacksinn wendet. Im Schaufenster des frisch renovierten Cafés Kleimann kann man drei aus Marzipan gestaltete Modelle der für kalifornische Reiserouten üblichen Imbiss-Lkws besichtigen und sogar einen Teller mit landesüblich belegten Tacos kaufen - natürlich auch aus Marzipan ... Wer nicht mag, möge bitte den von der Künstlerin entworfenen und signierten Mitnahmekarton samt Speis nur als Kunstwerk betrachten, das er nach Hause nehmen könne. Nicht mal teuer ...

Und meine persönliche Begegnung mit Skulpturprojekt Nr.7? Beim ersten Anlauf voll daneben. Es war ein regnerischer Tag. Und ich war nicht richtig informiert. Das Café hatte wegen Totalrenovierung geschlossen und für Touristen lediglich ein kleines Foto der Marzipan-Autos hinter die dreckige Scheibe geklebt. Die widersprüchlichen Informationen vor Ort, wann nun die Glockenspiele lossingen würden, ließen mich mehrmals die Strecke durchlaufen mit dem Ergebnis, dass ich nur aus der Ferne den Stadthausturm hörte und danach die Porzellanglocken. Beide Melodien waren mir nicht vertraut, was ein leichtes Gefühl des Bedauerns hevorzitierte. Ich hab‘ keine Ahnung, warum es besser sein sollte, die Melodien zu kennen ... Hätte ich dann mitgesungen? Wie dem auch sei ...

Ich wusste auch nicht, wo ich jene verformten Glocken am Rande des Weges finden sollte und hackte Pae White erstmal ab.

Als ich später während der Wanderung entlang der Faden-Route (Skulptur 01) den Abstecher in den Botanischen Garten machte (Orangerie beherbergt oft interessante Kunstausstellungen) - entdeckte ich die anmutigen Glocken entlang des Weges am romantischen Teich.

Es war ein richtiger Sommertagstraum und die Kulisse profitierte davon. Die Skulpturwache hatte für jedes Touristengrüppchen eine der Glocken erklingen lassen, und ich war wie verzaubert von dem weichen Klang, welcher den Parkraum zart berührte. Fazit: liebevoll verformte Tonglocken sollten ruhig Zugang zu Sinfonieorchestern finden, echt.

Danke schön Pae White für den Klang ..!

Und Kleimann hat inzwischen neu eröffnet und ist ein Kunstwerk an sich, wie schon immer. Nun ist alles in Butt ... sorry - in Marzipan.

 

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