Das Abenteuer mit Ölpastell

Das neue Mal-Abenteuer schlich sich nicht so leise in mein Leben ein, wie die Pastelle. Eine Bekannte, die im Archiv mit Werken geisteskranker Künstler arbeitet, lies mich im Februar 2000 in ihre Schubladen reinschauen und da sah ich ein Bild, das mich aufspringen ließ. Die Kunsthistorikerin erklärte mir leicht verwundert, dass es sich um ein gewöhnliches Ölpastell handle. Gewöhnlich?! Die Leuchtkraft der Farben hat mich so sehr angesprochen, dass ich sofort in die Stadt fuhr und mir ein kleines Kästchen der Leuchtwunder kaufte.

Am selben Abend stand ich an der Staffelei und schloss Freundschaft mit dem neuen Farbmedium. Der Unterschied zu früher war enorm. Klassisches Pastellbild entsteht durch leichte, weiche Bewegung der auftragenden Hand und das strahlt es auch aus; die Bildflächen wirken delikat oder samtweich. Beim Ölpastell handelt es sich um Kreidepartikel, die mit gehärtetem Öl gebunden sind. Dies erfordert einen wahren Kraftakt, bis die feste Paste zu einer deckenden, mattglänzenden Farbschicht zerrieben wird und wie ein mit Ölfarbe gemaltes Bild aussieht. Dieser Umstand vermochte aber meine Begeisterung für die neue Qualität nicht zu mindern. In den nächsten Monaten ließ mir meine Berufstätigkeit weniger Freiraum, nichtsdestotrotz, wann immer ich konnte, 'beglänzte' ich die großen Kartonbögen mit satten Farben. Die hier gezeigten Bilder (bis auf Tanztrance ganz oben) messen 70 x 100 cm - die Malerei beanspruchte immer größeren Raum in meinem Leben.

Eine Anekdote zu dem Bild mit drei Töpfen.

Als ich im Mai 2001 in Orléans (Frankreich) weilte, sprang mir dort an allen Hausecken ein Ausstellungsplakat ins Auge, das zur Vernissage der Bilder-Ausstellung von Hervé Loilier einlud. Ein Gemälde auf dem Plakat zeigte drei Frauen und ich weiß bis heute nicht, warum es mich so faszinierte. Als ich mich dann zu Hause zum nächsten Bild hinsetzte, meditierte ich zuerst - wie ich es zu jener Zeit pflegte - und wollte danach so etwas wie Loilier malen. Nach ca. sechs herrlichen Stunden im sommerlichen Garten schaute ich mir verwundert die bodenständigen Keramikprodukte an. Nur noch die Traumsymbolik, welche empfangsbereite Gefäße dem Thema Frau zuordnet, bildet die Brücke zum Ausgangsbild von Loilier. Und die Anordnung - jene Frauen waren auch so gruppiert.

Dieses Abenteuer schien mir wohl zeigen zu wollen, dass ich auch gegenständlich malen kann, was mir sehr neu war.