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Stille Macht der Geschmeidigkeit Die Ölfarbe brauchte nicht lange um mich zu werben. So weich und geschmeidig wie sie ist, schmiegte sie sich eines Tages an die Acrylfarben an, die ich gerade bei Franke & Franke nachkaufte und kam einfach mit. Konkret ... ich schaute eine halbe Stunde lang zu, wie eine für Ölfarben werbende Künstlerin im Laden 'schau-malte'. Auf eine Acrylskizze trug sie eine dünne Schicht farbigen Fettes auf und ... die Geschmeidigkeit der Ölfarbe hatte mich sofort im Griff. Ansonsten sah ich keinen Unterschied zur Acrylmalerei. Guck an, diese Ölmalerei ist doch nicht so wild - dachte ich mir und nahm die ersten 12 Tuben zur Kasse. Erst zu Hause merkte ich, welch eine Herausforderung dies für mich bedeutete. Wer die Geschmeidigkeit der Ölfarbe auskosten will, der muss seeeehr viel Geduld aufbringen. Eine Schicht heute, die nächste nach dem Austrocken, d.h. in einer Woche, die weitere ... - unglaublich! Die Pastellbilder haben mich zwar Muße beim Malen gelehrt, aber sie waren ja nach einer Sitzung fertig. Nach jeweils 3-4 Stunden begegnete ich der 'vollendeten' Idee-Erscheinung. Mit Acryl war es ähnlich, an heißen Sommertagen konnte die Farbe bereits am Pinsel antrocknen. Und nun war das Erscheinen eines Ölbildes auf Wochen, gar Monate gestreckt. Ich werde wahnsinnig! - stöhnte ich im Geiste. Ich wurde zwar nicht. Aber es war wirklich hart. Ade das intuitive Malen, wo die nächste Handbewegung im Nebel des ruhenden Unwissens steckt. Die Grundidee konnte noch auf herkömmliche Art und Weise kommen. Diese Bild-Andeutung lies sich aber Zeit, denn dann ... dann war geduldiges Handwerk angesagt. Obwohl ich mich nach der alten Unbeschwertheit sehnte, ließ meine Faszination für die anspruchsvolle Ölfarbe nicht locker. Ich glaubte sogar, dass ich die Acrylmalerei gänzlich aufgeben würde, wie das inzwischen mit beiden Pastellkreiden passiert sei.
In dieser Zeit entstand der Zyklus Lebendige Vergangenheit. Meine Gedankenwelt war damals mit dem Einfluss der persönlichen Vergangenheit auf die Gegenwart befasst. Alle unbewusst gewordene Glaubenssätze über das Leben, die meine jetzige Wahrnehmung und folglich meine auf dieser Grundlage getroffenen Entscheidungen bedingen, sollten ans Tageslicht gelangen. Ich stellte mir damals vor, Kontrolle über die unbewussten Prozesse zu erlangen. Daher Lebendige Vergangenheit - eine die der Kopf vergangen nennt, die aber doch noch vieles im Jetzt bewirkt. Das will auch die 'verkehrte' Reihenfolge der Bilder suggerieren. Erst die Erwachsene mit unklarer Erinnerung im Bauch an die Enge der Knospenphase, die ihrerseits eine schwammige Erinnerung an den Samen trägt, der seinerseits ... Diesen Zyklus initiierte ein winzig kleines ad hoc gemaltes Bildchen - noch ohne Bezug zur Vergangenheit. Während die bernsteinfarbenen Versionen entstanden, hatte ich jedoch nolens volens viel Gelegenheit, meinen Rückblick zu vertiefen.
Zum Schluss erschien an einem Abend die entspannte Tänzerin, die alle Farben des Regenbogens in ihr Outfit integriert hat und viel mehr Leinen-Raum für sich in Anspruch nahm - das zunächst flott dahergekommene Acrylbild holte sich später weichere Überschichten in Öl.
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