Rundgang

durch meine Exposition inneralb der Gruppenausstellung Kunst-Café 2005.

Die 125 cm-langen Tapeten (rechts an der langen Wand) präsentierten sich bar jeglicher 'Verpackung' und erlaubten dem Besucher sinnlich nachzuempfinden, wie angenehm und zugleich stabil die Oberfläche meiner Tapetenbilder ist. Dieses Pärchen, das wie eine zerschnittene Landschaft anmutet, nannte ich für diese Ausstellung ganz simpel: Sonnen-Landschaft; alle anderen Ideen dazu erschienen mir zu langatmig oder hochtrabbend.

Die letzte Bemerkung will deutlich machen, dass meine Titel immer in Nachhinein entstehen (Ich hatte beim Malen keine Motiv-Absicht und war über das Ergebnis wie üblich erstaunt); nicht selten erst im Kontext einer Ausstellung. Zudem ... ist es oftmals so, dass das selbe Bild von Ausstellung zur Ausstellung seinen Titel wechselt. Wieso diese Beliebigkeit? Ich betrachte die Titel als vom Verstand kreiertes Beiwerk, das mit dem Farbenspiel der malenden Hand zusammen tanzt. Kein Tänzer definiert je seinen Partner ... Kurzum - lassen Sie sich bitte nicht von den Wortinhalten gängeln, wenn sie meine Werke anschauen. Sie nähern sich meiner Betrachtungsweise, wenn Sie mit dem Auge schauen:Wie wirkt das Bild auf mich? statt: Was stellt es dar?

Das nächste Bild an der Wand (im üblicheren Format meiner Sammlung: Tapetenbahn-Breite = Bildhöhe) entstammte der Serie GOLD-Impressionen und präsentierte sich 'edel' - unter Glas gerahmt. Sein Titel spielt seit der Entstehungszeit mit dem Wort Ikone. Nicht nur wegen des ganzflächigen Untergrundes aus goldener Farbe, wie dies von Ikonenmalern gern praktiziert wurde, sondern weil mir das Motiv selbst etwas Heiliges vermittelte, das ich bislang nicht benennen konnte. Zwar meldete mir mein Verstand die Ähnlichkeit des optischen Motivs mit einer Landschaft, doch ich 'weiß' irgendwie, dass mir das Bild etwas ganz anderes zeige. Diese irrationale Wahrnehmung hat eine sonderbare Überzeugungskraft und der Verstand hat sich in Schweigen gehüllt ...

Und die Ausstellungsbesucher ..? Die von mir gehörten Kommentare bezogen sich entweder auf die wahrgenommmene Landschaft oder aber nur auf die Farbbrillianz des Bildes. Mehr gab das Bild nicht preis ...

Bonbon zum Trost: wenn Sie mit der Maus über das das Bild fahren, können Sie das Lichtspiel des Goldes verfolgen.

Die weiße Tapete neben der Ikone malte ich 'kopfüber' - d.h. bis zur Fertigstellung glaubte ich, dass die schwere Farbpartie oben sein möchte. Dann sah ich aber das Bild verkehrt auf dem Tisch liegen und war fasziniert von meiner Projektion. Der Verstand erfreute sich an Gegenständlichkeit des entdeckten Motivs - felsenfest überzeugt, eine Art Hemdchen zu sehen. Und ... diese Sichtweise war so hartneckig, dass es mir nicht gelang, das Motiv mal ohne diesen Inhaltsfilter zu wahrzunehmen. Hemdchen - vorzugsweise auf Polnisch deklariert als Koszulka - fand ich irgendwie zu platt, zu nichtssagend. Also führte mich das polnische Wort, das auch gerne für Babywäsche benutzt wird, zu der Funktion ... So etablierte sich der Bildtitel: Schutzraum.

Dieses Bild wurde von den Betrachtern ... allzuoft 'übersehen'. Wahrscheinlich stand ihnen die Projektion des Kleidungsstücks nicht zur Verfügung und die wahrgenommene Abstraktion in schlichten Farben verlor in Konkurrenz gegen meine goldenen Bilder.

Das Bild weckte in mir Assoziationen mit antiquem Ägypten und der Titel dafür schien eindeutig wenngleich nicht sofort fassbar zu sein. Das Phänomen 'ich habe es auf der Zungenspitze' lies sich ein paar Tage Zeit. Ich gebe zu, dass mir die ägyptische Mythologie nicht besonders vertraut ist... Sphinks? - Nein. Vielleicht Osiris? - Nein. Wie wäre es mit Seth? - Auch nein. Hmmm... Und dann war es plötzlich sonnenklar ANUBIS !!! Klar war der Name, nicht so sehr der Inhalt. Anubis? War das nicht der ägyptische Zerberus ..? Sicherheitshalber tippte ich das komische Wort in den Google hinein. www.sungaya.de erklärt dazu:

Anubis begleitet als Seelenführer die Toten in die Unterwelt. Als 'Herr der Gotteshalle' überwacht er die rituelle Vorbereitung der Leiche durch Mumifizierung und nimmt beim Totengericht als 'Herzenszähler' die Abwägung der Herz-Seele auf der Waage der Maat vor. Als 'Herr der Höhlenöffnung' beschützt er das Totenreich.

Oh wei - Wächter der Hölle ... dunkle Welten, Themen der November-Saison, Zeit für innere Einkehr für Innenbilanz und Nachholen aller nicht verdauter Traurigkeiten ...

Das Bild ist kein Einzelstück, sein Bruder kam fast gleichzeitig zur Welt und hat mich doch nicht halb so berührt wie Anubis. Den Osiris habe in der Ständer-Mappe gelassen, wo er auf Interessierte wartete, die es kaum gab. Auf Sie wartet er in meiner ersten Ausstellung der Tapetenbilder, wenn Sie also mögen ... Tapeten-Cinéma

Das Märchenhafte dieses Bildes zeigte sich vielen Betrachtern. Mein Kopf war auch nicht anders: ein zerklüfteter Baumstamm, eine romantische Ruine, ein zerfallender Wehrturm ... Die letzte Assoziation führte mich zu dem Bild auf der Triumphkarte XVI im Tarot. Daher der Titel: XVI - Turm. Das Friedliche des Bildes widerspricht zwar dem Symbolgehalt jener Tarotkarte, die sich auf Erschütterungen im Innenleben eines Menschen bezieht, aber das scheint meine innere Titel-Jury nicht zu stören ...

Weitere Bilder habe ich aus technischen Gründen auf die nächste Seite verschoben ... Alles auf einer zu plazieren, hätte zur Folge, dass Sie unendlich lang warten müssten, bis Ihr Computer alle Bilder öffnet.