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Herzlich willkommen in meiner ersten Ausstellung mit ... nicht-Bildern. Das kleine Ensemble der Keramik-Plastiken, die im September 2005 zur Welt kamen, möchte sich nunmehr vorstellen ... | ||
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Es bleibt Ihnen natürlich frei zu wählen, ob Sie nur die Plastiken sehen, oder sie lieber innerhalb meiner Geschichte über ihren Werdegang kennen lernen wollen. Wie immer empfehle ich, zuerst den unbefangenen Blick auf meine Werke zu werfen, und dann erst den Worten zu lauschen. | ||
Also ... wo kommen die Dinger her ..? Über das plötzliche Auftauchen der Keramik in meinem Repertoire bin ich immer noch verwundert. Immer mal wieder tauchte in mir zwar die Frage auf, ob meine nach Dreidimensionalität strebenden Bilder ein Wink seien, mich auch der plastischen Kunst zuzuwenden, aber sie war so wage... Die Idee klopfte sogar noch eher an meiner Tür, sogar bevor ich anfing, zu malen ... Als ich 1997 in Nienberge einzog und den Garten einrichtete, verlockten mich die aus der Erde gehobenen, weißen Lehmklumpen zur Gestaltung einiger Figuren, die dann aber dem Regen im Garten preisgegeben wurden ...
Im anschließenden Fotobericht über meinen Kunst-Ausflug flossen mir Zeilen in die Feder, die mich aufhorchen ließen, ohne dass ich verstand, wieso: ... Frau mit Masken. Keinen wirklichen Kopf hatte die Dame, dafür mehrere Gesichter zur Verfügung. Manche von ihnen schauten blind, andere ließen durchblicken, dass sie offene Fenster zur Leere sind ... Und das ganze Wesen strahlte Schönheit ... Leichtigkeit ... Anmut ... Einmaligkeit. Das Leben ist nunmal Theater. Wie kreativ gehen wir mit dem Wissen um ..? | ||
Eine Stunde später war ich unterwegs zum Kreativ-Shop und kaufte dort verschiedene Keramikmassen. Wieder zu Hause knetete ich eine Viertelstunde ziellos an einem Klumpen herum; meine Ungeduld fing an zu fauchen: Na und ..? Erst war es so dringlich und jetzt ..? Da fiel mir jener Satz mit dem Lebenstheater ein. Hmm ... Na und ..? Danke schön für den Tipp, aber könnte er nicht deutlicher ausfallen ..? Leere im Kopf. Kein Flügelschlag einer Muse war zu vernehmen. Nichts, einfach gar nichts. Die Keramikmasse in meiner Hand wurde warm und wärmer und ... hatte eindeutig immer noch 'keine' Form. Vielleicht sollte ich IRGEND-etwas machen und dann ergibt sich mehr ..? Aber was? Wie kreativ gehe ich mit dem Wissen um, dass das Leben Theater sei ... Alles nur Spiel, Mensch als Schauspieler. Jene Maskenfrau ... gab so vielen Empfindungen ein Gesicht ... Genau! Das könnte ein schöner Anfang sein - eine Maske. Mal sehen, was sie ausdrücken wird ...
Der platt gedrückte Klumpen bekommt schnell eine Nase und lässt sich zwei Augenöffnungen durch das herumliegende Obstmesser ausschneiden. Die Keramikmasse trocknet so schnell an der Luft, dass sie brüchige Oberfläche bekommt. Der Kritiker im Kopf legt los: Daraus wird nichts! Wahrscheinlich muss man da Wasser einarbeiten. Man hätte ein Buch über Keramik kaufen sollen ... Je mehr Materie im Spiel ist, desto dringender wird geübtes Handwerk ... Die Augenform lässt mich schmunzeln: Komisches Ding - stümperhaft, unbeholfen und doch auch ... ich weiß nicht ... unschuldig? Die zweite Maske lehnte sich noch mehr gegen die übliche Symmetrie des Gesichts auf. Die poröse Oberfläche belebte das Gesamtbild, die Augenachse erschien mir als Ausdruck der inneren Gelassenheit. Das Spiel mit den Masken gewann immer mehr an Reiz ... Die dritte Maske (nicht im Bild) begnügte sich mit einem Auge und ließ sich dafür ein großes Ohr angedeihen. Diesen Ausdruck fürs geduldige Lauschen werden Sie unter diesem Titel in der Ausstellung finden - diese Plastik schaffte den Sprung in die Öffentlichkeit ... Die nächste Maske auf dem blauen Foto war die Nummer 6 im Zyklus. Für sie hatte ich weiße und rote Keramikmasse zusammen verknetet. Die sehr natürlich geratene Nase wurde 'auf den Kopf gestellt' und das Augenzwinkern sollte wohl für den Witzaspekt sorgen. Mein Kritiker hat mich gnadenlos ausgelacht; die Maske sei superlangweilig, der Witz so künstlich, dass man Zahnschmerzen bekomme, usw. Seine Stimme wurde von mir erhört ... und die Maske blieb eine kleine Laune ohne Anspruch auf Bühnenauftritt. Die letzte Maske auf dem Foto oben habe ich drei Tage später aus Ton gemacht und ... sofort gespürt, dass ich kein Freund dieses Werkstoffs werden würde. Den Rest des 10kg-Blocks stellte ich gleich in die Kammer weg.
Eine andere Idee als Masken zu gestalten, kam immer noch nicht - also ... die Gesichter-Reihe wuchs weiter. Und ich hatte so viel Spaß dabei ... Die Maskenidee diktierte nur Augenlöcher, der Rest war frei zu gestalten. Und der Wirkstoff half mir dabei. Je weicher die Masse bei der Bearbeitung war, desto lebendiger wurden die Gesichter. Als ich eine 'fertige' Maske zur Seite legen wollte, verzog sie sich immer, und das Gesicht schaute mich mit neuem Gefühlsausdruck an. Das Wunder eines völlig anderen Ausdrucks im Gesicht, nachdem ein Mund- oder Augenwinkel auch nur einen Milimeter anders gezogen wurde, ließ mich jedes mal neu staunen. Es bestand kein Zweifel mehr - die Masken hatten mich gut im Griff. Jetzt machte ich mir langsam Gedanken, wie man sie präsentieren sollte - es hatte keinen Sinn, sie auf dem Tisch liegend zu zeigen. Das Naheliegendste war natürlich ein Masken-Stiel und ich folgte der Tradition.
Was so simpel erscheint, entpuppte sich als eine Herausforderung; die Materie war widerspenstig. Eine stabile Verbindung von Keramik und Holz wollte mir nicht so leicht gelingen. Entweder brach die Verankerung ab, oder verunstaltete das Gesicht, oder wurde nach Trockung zu eng für das vorgesehene Holzstück, oder, oder ... Ich stöberte durch die Regale des nahe gelegenen Kreativ-Shops und fand dort das Gießpulver. Das gemahlene Tonmehl wird mit ein wenig Wasser verrührt, dann in die gewünschte Form gegossen, wo es nach einer halben Stunde schön fest und schwer wird. Die ursprüngliche Idee mit kompletten Masken-Abguss ist schnell gestorben, aber die Stabilität der neuen Masse nutzte ich mit großem Erfolg für die nachträgliche Rückenstärkung der zarten Keramik und dabei wurden auch die Stiele 'angeschweißt'. Die nächste Aufgabe hing in der Luft. Wie kriege ich die 'bestielten' Masken zum Stehen? Für die Lösung brauchte ich insgesamt mehrere Wochen. Dies steht in einer ungewöhnlichen Proportion zur Zeit, die für eine Maskengestaltung benötigt wurde. Die Gesicher entstanden in jeweils 1-2 Stunden - ihre Halter brauchten jeweils 4-6mal je 1-3 Stunden. Da ich alle Halter (Ständer?) unterschiedlich gestaltete, begegnete ich bei jedem Exemplar neuen Herausforderungen von Seiten der Materie ... Aber das werde ich Ihnen auf weiteren Seiten erzählen, wo Sie die gereiften Plastiken aus der Nähe betrachten können.
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