Ein tolles Mal-Abenteuer! Wie liebe ich das! Unzählige Schritte, von denen jeder in eine neue Richtung führte und Unerwartetes hervorbrachte.

 

Protokoll einer Malsitzung ...

Die Zielvorstellung meines Verstandes begnügte sich mit: 'Halt ein Bildchen malen'. Mit Malerkrepp steckte ich das heutige Bildfeld ab und fiel in die Leere hinab:

-Was nun..?

Nichts. 3-5 Minuten dümpelt meine Wahrnehmung zwischen den Grübel-Welten und der Wiesen-Landschaft vor dem Atelier - wie ein Korken beim leichten Wellengang des Meeres. Dann kommt plötzlich die Ungeduld angefaucht:

- Na los! Worauf wartest du? Irgendetwas! Unterwegs wird dir schon etwas einfallen.

- Hmm..? Stress muss ja nicht sein. Kein Drängen könn/ ...!!! Ups, Moment mal, da ist doch was ... Ja, eine blasse Erinnerung meiner sonnengelben Vorskizze während einer Malstunde in der Kur vor vielen Jahren?.

Die Kursleiterin war begeistert, dass ich meine Bilder vom Sonnenlicht zur Erdenpracht der Farben hinentwickeln würde ... Ich schaute die Frau irritiert an; Spinnt sie oder macht sich über mich lustig? Meine Absicht meinte nämlich, dass ich nicht einfach losmalen dürfte, sondern ein Bild mit möglichst heller Farbe planen sollte, die man anschließend leicht übertünchen könnte. Von wegen 'vom Licht zu irgendetwas...' - Quatsch! Und es musste viel Zeit vergehen, bis ich der Frau recht geben konnte; es scheint tatsächlich so etwas wie meine Malweise zu geben. Wenn ich vom Hellen zum Dunkeln hin male, fließt die Inspiration viel leichter als in der umgekehrten Richtung, und unbewusst habe ich natürlich diesen Weg immer bevorzugt.

- OK. Verstanden! Dann beginne ich halt mit gelbem Hintergrund für das Bild.

Der Hahn der Inspiration wurde also aufgedreht. Dem Gelbauftritt folgen ein paar Tanzrunden von Lachsrosé und Flammenorange. Danach ergießen sich verschiedenste Grün-Töne, die das Gelbgebiet weiträumig kolonialisieren. Eine nächste Idee kommt schnell angerauscht:

- Die Eierpackung ... her damit.

- Der Boden aus Pappmasché? Ja, wo hab ich ihn bloß ..? Der lag doch wochenlang hier herum. Im Schrank vielleicht ..?

Das geprägte Rautenmuster tränke ich mit weißer Farbe und drücke damit zwei farbsatte Diagonalen - Schrecklich! Mit einem Wattestäbchen ziehe ich die Farbe ab ... was ein zartes Muster der inzwischen angetrockneten Konturen entstehen lässt, das von keinem Pinsel gezaubert werden könnte. Ein Bündel Anerkennungsgedanken schwebt den werktätigen Musen entgegen:

- Alle Achtung! Das war echt rafiniert von euch ... Und nun ..?

Schon folgt der zweite Abdruck - diesmal wird die andere Seite der Eierpackung ins Rot getaucht und in das leere Rautenmuster hineingelegt. Rote Ringe bar jeglichen Charme's ...

- ..?!? Also ... ich hoffe, dass sich die Musen noch was Schöneres einfallen lassen werden.

Viel Zeit zum Motzen sei dem Kopf nicht gegönnt. Die roten Ringe werden gelb ummantelt und nun wird lange an den blauen Juvelen darin gearbeitet. Das Weiß lässt sie aufblitzen, viel klares Malmittel fängt weiteres Licht hinein. Die Kostbarkeiten erfreuen mein Herz und stimmen den Kopf gnädig um. Das könnte doch noch etwas werden - murmelt er leise. Im letzten Akt zentriert sich die Aktion auf der Umgebung. Dunkelrot, Preussischblau, Indigo und Schwarz sorgen für weite Spanne der Farbtiefe im Bild.

- Tja, das ursprüngliche Sonnenlicht hat sich beinahe vollständig in Dunkelheit verwandelt und das Ergebnis ... strahlt.

 

Und wie steht es um den Bezug des Bildes zum Tag? Ich fand nichts. Wenn Sie aber trotzdem auf einer Deutungsrunde bestehen ... spielen Sie weiter allein: Den ganzen Vormittag saß ich beim Friseur, wo ich eine Dauerwellenaktion erlitt. Die Friseurin gab sich besonders viel Mühe, um meinen Lob für die Dauerwelle vom letzten Jahr in den Schatten zu stellen ... und wie es dann so kommt: zu Hause rundete meine Schere das Ergebnis ab und ich war froh, das unliebsame Thema für ein weiteres Jahr erledigt zu haben. Mit einer Riesentasse Milchkaffee nahm ich Platz auf meiner heißgeliebten Veranda ... Weiter: siehe oben

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