Es gehört sich wohl, ein paar Worte Einführung mit auf den Weg durch die Ausstellung zu geben - ein paar, nicht gleich einen halben Roman - also rate ich Ihnen lieber : Gehen Sie los und kehren nach der Besichtigung zurück - wenn Sie die Entstehungsgeschichte der ausgestellten Bilder-Serie überhaupt interessiert, denn nur das füllt die weiteren Zeilen. OK ..?

Welchem Umstand das Gold seine Wertschätzung durch den Menschen verdient, ist kaum nachvollziehbar, auch wenn der Kopf allerlei Begründungen zur Verfügung stellt. Meiner zum Beispiel, wissend um mein Desinteresse für Goldbarren oder Schmuck, kreierte folgende Geschichte: Meine Liebe für das Sonnenlicht vermählte sich mit der Liebe für die Farbenpracht, damit ich monatelang ... goldene Hochzeit feiern könne. - Hört sich sentimental an? Kitschig? Nu verlangen Sie nicht, dass der Kopf eine Erklärung erdichtet, die der magischen Wirklichkeit des Goldes gereichen könnte...

 

Und wie fing meine goldene Zeit an - so ganz praktisch ..? - Gar nicht spektakulär, eher schleichend, simpel, alltäglich - mit dem Kauf einer Probeserie verschiedener Strukturpasten; im Kalender ging gerade Juni 2004 auf.

Neugierig auf das Abenteuer mit Struktur trug ich sechs winzige Gläschen mit den mineralisch anmutenden Tinkturen und bekleisterte mit Elan kleine Leinwand-Quadrate. Auch die weiche Goldpaste durfte zwar hier und da aufschimmern, aber in Maßen - allzu viel Gold fand ich ja schon immer schrecklich kitschig...

Der erste Flügelschlag der golden Farbe war also ein wenig beachtetes Ereignis am Rande meiner Aufmerksamkeit. (weitere Beispiele sind auf der ersten Seite der Galerie zu sehen)

 

Als dann im Oktober die Tapetenphase anfing, und ich sandfarbene Granitfarbe - wie sie hieß - kaufte, staunte ich nicht wenig, als mir die getrockneten Flächen mit feinstem Goldstaub entgegenstrahlten - winzig kleine Lichtpunkte, die kaum der Materie bedurften und doch jedes Betrachterauge anzogen. Obwohl aber die Staubsterne auf sehr vielen Bildern vom Tapeten-Cinema schimmern, werden Sie sie in der e-gallery nicht ausmachen können - während der Verkleinerung sind die Lichter ins Nichts gewichen.

 

An meinem 50. Geburtstag beflügelte mich die Idee, diesen Tag mit etwas Ungewöhnlichem zu kennzeichnen ... Wie fängt meine zweite Jahrhunderthälfte an? Ohne zu grübeln und weit zu suchen, griff ich nach einem Messer und dem inzwischen verstaubten Gläschen mit der Goldtinktur. Hola, man sollte nicht gleich überteiben! - protestierte der Verstand. -Warum nicht ..? Versuchungen sollte man immer nachgeben - hat mal Oskar Wilde geraten - Wer weiß, ob sie wiederkommen!

Das mattglänzende, konturfade Ergebnis auf dem Tapetenbogen weckte keinen Stolz. Ich legte es zum Trocknen weg und malte mit Acryl ein sich auflösendes dunkles Netz - auch nichts Berauschendes - wie mein Kopf befand. Nach einigen Stunden schaute ich das grünstichige Gold an, trug etwas bunten Acryl auf und da tauchte plötzlich die Idee auf, dem kitschigen Gold - wie mein Kopf monierte - zu etwas Wärme zu verhelfen ... mit einer Öllasur. Ich beschloss zwar vor einigen Monaten, keine Ölfarbe mehr zu verwenden, weil man dann so schrecklich lange auf das Trocknen der einzelnen Schichten warten müsse und weil mich die herumhängenden Blätter stören würden. Aber jetzt, bei einem Bild zum 50. Geburtstag sollte ja eine Ausnahme erlaubt sein, oder ..?

 

Das Ergebnis entfaltete eine unerwartete Wirkung - von nun an beschichtete ich die Tapetenbögen mit dicker Goldschicht, die dann mit meist transparenter Ölfarbe überzogen wurde. Das von Gold eingefangene Licht verlieh auf dem Rückweg ein neues Leben der Ölschicht darüber. Ich war hin und weg ... Es störte mich überhaupt nicht, dass ständig mehrere Blätter in der Wohnung herumhingen. Ich tauchte im Tanz der neuen Farbe unter. Die Acrylmalerei verkam zum Lückenbüßer - wenn ich mal auf die anderen Blätter noch zu warten hatte.

 

 

Mitte April merkte ich bei mir eine Art geschärfte Wahrnehmung für Weiß. Zunächst sorgte ich für möglichst weißen Untergrund unter Gold, dann für die offene Nachbarschaft von Gold und Weiß und kurze Zeit später spürte ich, dass das Gold die Tanzreihen verlässt... Der nachgekaufte Großbehälter mit Gold war noch halbvoll, aber die Bilder haben nicht mehr danach gefragt. Die goldene Hochzeit verklang, bevor der neue Juni in die Tür kam ...