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Tatort: Atelier | ||
14. Juli 2005 Nachdem ich die virtuelle Ausstellung GOLD-Impressionen fertig hatte, dachte ich wieder ans Malen gehen zu können. Das Leben hatte aber andere Pläne. Zuerst hatte ich eine Woche Besuch im Haus und danach wurde ich von einer angehenden Künstlerin eingeladen, auf dem traditionellen Malermarkt in Münster mitauszustellen. In einem Gewinnspiel der örtlichen Zeitung hatte sie nämlich einen Standplatz gewonnen - wenige Tage vor dem Markt - konnte aber auf die Schnelle ... nur ein Bild malen. Mein umfangreicher Bilder-Bestand sollte also die Lücke füllen. Zunächst wollte ich nur ältere Sachen zum Verkauf anbieten. Dann kam aber die Idee, die Gelegenheit für die erste Ausstellung meiner Tapetensammlung außerhalb meiner Internetgalerie zu nutzen. Einerseits erlaubt so ein Markt eine Präsentation, die meinen Geldbeutel schont (100 Blätter unter Glas zu rahmen, dürfte einige Tausender kosten) - andererseits könnte man da einen interessanten Kontakt knüpfen, der zu einer ansprechenderen Ausstellung führen würde - wer weiß ... Diese Vorstellung setzte in mir Energie für umfangreiche Vorbereitungen frei.
Meine heutige Notiz will Ihnen anschaulich machen, mit welchem Aufwand eine - noch so bescheidene und kurze - Ausstellung einer Hobbykünstlerin verbunden ist. Nachdem ich die Informationen über die Lokalisierung eingeholt hatte (3 x 2m - nicht überdachter Platz - ganztägig in der Sonne - 1,5 Stunden für den Aufbau - Marktdauer: 7 Stunden), konnte ich planen, wie ich den Stand einrichten werde. Große Bilder schieden bereits im Vorfeld aus; kein Lkw für den Transport, große Beschädigungsgefahr, keine Aufhängung möglich. Auch kleinere Leinwände benötigen normalerweise eine Wand zum Aufhängen, aber auf einem Markt geben sie sich auch mit kleinen Staffeleien zufrieden ... Diese hat mir eine Kunstkollegin geliehen, als ich sie nach ihrer Mappe für ungerahmte Papierbilder fragte. Die praktische Mappe brauchte 20 Hüllen mit 20 schwarzen Fotokartonbögen als Hintergrund, was eine Fahrt in die Stadt erzwang, um sie zu kaufen (Stück 4 Euro). Dem folgte mehrstündiges Festlegen der Bilder-Reihenfolge (damit die einzelnen Bilder nicht im Streit miteinander stehen und der Betrachter eine harmonische Wanderung durch den Farbenfluss erleben kann) und noch längeres Kleben der Fotoecken (damit die kleinen Tapetenformate in der großen Hülle nicht 'herumflattern'). Die Auswahl der Leinwände und ihre Verpackung in eine Luftpolsterfolie (damit sie den Transport heile überstehen) kostete nur 2 Stunden. Nur - weil die Vorbereitung, das Drucken und Schneiden der aufwendig gestalteten Visitenkarten mit Kontaktangaben und vor allem mit dem Hinweis auf meine Internetgalerie über 7 Stunden benötigte. Unzählige Stunden vorher und etwa 16 Stunde jetzt nahm die Produktion der farbigen Kunstkarten mit meinen Bildmotiven (fotografieren, digital bearbeiten, ausdrucken, schneiden, falten, in bedruckte Briefumschläge und dann in Foliehüllen stecken, mit Tesa zukleben). Gottseidank hatte ich schon früher etliche der Tapetenblätter zu Karten verarbeitet, sonst könnte ich kaum mehr als 4-8 auf dem Kunst-Markt bieten. Mobiliar: große Staffelei (den wackeligen 3-Beiner habe ich mit Hilfe der angeschraubten Querleiste am Einzelfuß stabilisiert), zwei Böcke und eine mittelgroße Holzplatte (=flexibler Tisch), zusammenklappbare Bilderwiege (auch geliehen), zwei Klappstühle, Sonnenschirm, zwei große Körbe für Kleinkram. Der Vorabend ... Nach und nach schleppe ich alles zum Autostellplatz hinauf. Drei Stunden für ausgeklügeltes System, wie man das Mobiliar, die Leinwände, zwei zusammengerollte Großleinwände und Kleidung (für Sonnen- und Regenwetter gewappnet) in ein Ford Fiesta verstaut. Spätestens jetzt werde ich von inneren Schimpfkanonaden bombardiert - ich wollte ja nie wieder an einem Kunstmarkt ausstellen ... Wieso tue ich mir das wieder an?! Tja, warum ... Wenn ich das wüsste.
Der Morgen ist vernebelt - was soll ich anziehen?! Schnelles Frühstück und ab in die Stadt. Nur nicht verspäten - ein Freund, der mir beim Auspacken und Schleppen helfen will, darf nicht auf mich warten müssen. In den Weiten des Aegidiimarktes suche ich nach 'unserem' Standplatz. Mit weißer Kreide markierte Nummer '35' kümmert sich nicht um Grenzmarkierungen. (Auf dem Foto hier habe ich den zu füllenden Raum hevorgehoben.) Klaus stappelt mein ganzes Hab und Gut aus dem Parkhaus und ich probiere aus, welche Art der Aufstellung die größte Raumausbeute bietet. Alice kommt mit ihrem Tisch hinzu und unser Stand nimmt bald feste Konturen an. 2 x 3 m kann doch erstaunlich viel fassen! Um halb zehn stellt es sich heraus, dass der Platz neben uns frei bleibt und wir uns ausdehnen dürfen. Die Freude darüber mischt sich mit Irritation, dass man wieder alles neu aufbauen müsse. Aber pünktlich um 10 Uhr entspannen wir uns in bequemen Klappstühlen von Alice. Das Malfestival kann beginnen.
Viele, viele Menschan ziehen an unserem Stand vorbei - wir sind hier an zentraler Stelle. Die Blicke der meisten streifen die größeren Bilder. Mein 'Freudenfest', das ich zur Hintergrundkulisse machte, entlockt mehreren die Frage nach dem Preis. Manche blättern in der aufgeschlagenen Mappe mit Tapetenbildern. Meine Kunstkarten werden kaum beachtet - nur 6 Stück verlassen meinen Kasten. Die zum Mitnehmen ausgelegten Visitenkarten ziehen auch nur wenige Hände an. Ich warte eine Lücke im Zuschauerstrom ab, um den Stand für die Chronik zu fotografieren. Alice strahlt. Später löst uns ihre Mutter ab, damit wir eine Runde durch den Platz drehen und sehen, in welcher Gesellschaft wir uns hier befinden. Weitere Stunden vergehen immer schneller. Besuche von Freunden, unvermutete Begegnungen, Geselligkeit - der angenehme Trost für den wirtschaftlichen Misserfolg. Um 17 Uhr endet das 26. Malfestival. Mein erstes und letztes zugleich. Wir brauchen nur eine Dreiviertelstunde, um den Stand aufzulösen und davon zu fahren. Allerdings helfen uns drei Personen dabei. | ||