Tatort: Atelier

31. Januar 2006

Neuer Aufwind !!!

Hinterm Fenster eisiger Winter glasiert die Landschaft in Weiß - Atelier gleicht einem Kühlschrank und doch ... gibt's etwas Schönes zu berichten: das Malen ist wieder eingekehrt! Die halbjährige Pause der Musen war eine harte Probe für meine Geduld. Am 30. Dezember ging es aber wieder los in der Welt der Farbe. - Es begann mit einem Traum, der mich ziemlich lustlos und gehemmt zeigte. Der Traum war recht unklar, aber ich meinte einen Bezug zur Kreativität darin sehen.

Die Lust brauche einen Raum, wo Neues erscheinen könne ...(notierte ich im Tagebuch) Was kann ich dafür tun? Da fällt mir nur ein: Ich könnte es wieder mit dem Malen versuchen. Vielleicht geht es wieder? Zunächst kann ich die Tapeten-Reihe wieder aufnehmen - mal sehen, ob mir da was einfällt. Aber wo soll ich malen? Das Atelier kommt nicht in Frage. Schlafzimmer ? Irgendwie ungemütlich. Wohnzimmer? Oh Gott, soll ich die schöne Wohnlandschaft durch Malutensilien stören? - Was heißt schon stören? Man könnte doch eine schöne Ecke einrichten ... Der große, runde Tisch wandert sofort ins Atelier hinaus, der kleine Schreibtisch mit Farben wird an den alten Klavierplatz geschoben. Das Einrichten haucht mir schon viel Neuschwung ein. Und ... eine Idee! Ich könnte meine Mal-Motivation unterstützen, indem ich jeden Tag etwas, noch so kleines, aber etwas male. Eine Art Kalender. Eine lange Tapetenbahn, die Tag für Tag weiter wachse. Und kein Tag gleiche dem anderen ... Um 17 Uhr breche ich plötzlich zu den Baumärkten auf - ich muss ja noch eine passende Tapete finden!

Wieder zu Hause angekommen werde ich von einem Telefonat mit einer Freundin abgelenkt, die mich zum Silvesterabend in kleiner Frauenrunde einlädt. Im Kopf rattert's: Hmmm... Soll ich, soll ich nicht? Ich wollte ja so gerne alleine bei mir bleiben ... Das könne ich aber auch an allen anderen Abenden, welche Bedeutung habe es schon, dass es ein Silvester sei - Keine! - Ich sage also zu und eile zum Maltisch. Die mitgebrachten Probestücke bemale ich schnell, um zu sehen, ob die Farbe daran haften bleibt und wie der Auftrag ausfällt. Es macht richtig Spaß. Es sieht wirklich danach aus, dass die Kreativität wieder im Aufwind sei! Wie schön! DANKE DANKE DANKE! An wen auch immer ...

Später gewinnt der Zweifel wieder an Stärke: Schade, dass ich morgen weg muss ... Malend ins neue Jahr schreiten, das wäre noch schöner. - Die Vernunft hält dem entgegen: Quatsch. Das kann man ja auch am ersten Januar machen, oder? Der Kalender brauche doch ein Bild vom ersten Januar, aber wer sagt, dass dies in der ersten Minuten des Tagen geschehen solle?

Hmm - stimmt. Ich glaube, der neue Aufwind der Kreativität verdreht mir etwas den Kopf; ich kann kaum noch abwarten, loszulegen. Also gut - Silvester in Laer. Der Abend mit den Frauen kann ja auch schön werden.

31.12.2006 - Bevor ich nach Laer fahre, verbrachte ich den ganzen Nachmittag am Maltisch. Die am Vormittag noch schnell nachgekaufte Tapetenbahn, die beim Mal-Test am besten abgeschnitten hat, habe ich an Rändern mit Malerkrepp beklebt und habe auch gleich die ersten 5 Malfelder abgesteckt. Die ursprüngliche Vorstellung von gleich großen Rechtecken ist vor der aufgestiegenen Idee eines Patchwork-Kalenders gewichen. Nun war also alles für das neue Jahr startklar. Der Enthusiasmus beflügelte mich geradezu und - da es für den Kalender ja noch zu früh war, machte ich mich an ein paar kleine Tapetenbögen - Das Leben kann manchmal so toll sein !!!

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Nun haben wir Ende Januar inzwischen. Mein Kalender-Projekt scheint das allerwichtigste meines momentanen Lebens zu sein. Das komplette Gemälde dürfte 15-20 Meter lang werden, wenn es so weiter geht, wie bisher ... Wahnsinn! Die kleinen Bildchen beanspruchen mich total. Zunächst habe ich beim Malen ein schmales Schildchen pro Bild ausgespart, um darin das Tagesdatum zu schreiben. Die weißen Felder stachen aber so stark ins Auge, dass ich diese Idee begrub - Bilder sind Bilder, das Datum brauche sich nicht so aufzudrängen. Ich übermalte die Schilder oder überklebte sie mit ursprünglichen Klebstreifen, die ich beim Malen verwendete.

In der ersten Woche beherrschte verspieltes Abstraktum die Bühne. Am neunten Tag tauchte eine liebliche Landschaft mit einem Baumstamm auf ... Das Bild gefiel mir zwar - sogar sehr - die Gegenständlichkeit weckte aber Unbehagen. Die klar erkennbaren Formen würden den Verstand der zukünftigen Betrachter aktivieren, die nur noch Ausschau nach Verstandesmäßigem halten würden. Die vielen Farbspiele meines Kalenders drohten zum ungesehenen Füllmaterial zu werden ... Zwei nächste Tage hielten sich kramphaft an Abstraktion - am dritten schimmerte ein altes Metallgefäß auf dem Meeresgrund matt auf. Ein paar Tage später spähten zwei neugierige Augen zur verwunschenen Treppe gen Himmel. Die Zensurinstanz gab auf - alles erlaubt. Hauptsache jeden Tag komme Neues hinzu. Egal ob ein Bild aus dem Traum (Kobraschlange) oder eines, den ich zunächst im Computer entworfen habe (eine Klaviatur im Sand), was auch immer ...

 

Das Foto hier will Ihnen einen Eindruck ermöglichen, ohne aber allzu viel preiszugeben ... Dafür gibt es ja Ausstellungen! Wenn 2006 zu Ende ist, bekommen Sie natürlich alles zu sehen. Ich muss mich ja auch gedulden, was da noch erscheinen möchte ...

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P.S. von Februar 2006

Ich habe doch nicht ausgehalten ... am Abend des 23. Februar setzte ich mich kurzerhand an den Computer und binnen weniger Stunden eröffente ich die Kalender-Ausstellung! Am Folgetag spielte ich noch ein wenig mit dem Ausstellungs-Dekor und ... gab das neue Schaufenster offiziell bekann, und zwar während meiner bescheidenen Galerie-Premiere im KUNST APARTment von Anja Rohlf. Der kleinen Schar der geladenen Gäste zeigte ich auch die mitgebrachte Tapetenbahn; so eine Rolle passt doch wunderbar in eine gewöhnliche Tasche hinein - tolle Lösung für ein Gemälde, dass sich inzwischen auf fast 2,5 Metern ausgebreitet hat.

Nun lade ich Sie ein, meine Ausstellung Kein Tag gleicht ... öfters mal zu besuchen - schauen Sie zu, wie der Kalender von Tag zu Tag reicher wird.

Kalender-Ausstellung

 

 

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